Wortführer der Opposition ruft zur zivilen Ungehorsamkeit
Freitag, 16. Februar 2007

Einige Standpunkte zur Regierung Raul Castros

 

Autor: Dr. Darsi Ferrer Ramírez.

Das Verschwinden von Fidel Castro aus der politischen Szene hat große Erwartungen geweckt. Auf der Tagesordnung steht die Zukunft Kubas. Der herausragende Oppositionelle, Darsi Ferrer , schreibt über die am Häufigsten auftretenden Meinungen zur gegenwärtigen Lage in Kuba. Zugleich kritisiert er die Wortführer der Opposition wegen ihrer abwartenden Haltung. Dieser Brief ist Mahnung und zugleich ein Aufruf an die Opposition jetzt zu handeln.

 

deisiferrerAugenblicklich werden unter den Kuba-Experten zahlreiche Alternativen bezüglich der kurzfristigen Zukunft Kubas geäußert. Die Meisten ihrer Voraussagen sprechen Raúl Castro die Fähigkeit zu, Reformen im chinesischen Styl einzuleiten. Andere Stimmen glauben, der Tod Fidel Castros führe das Ende der Stabilität und der Gehorsamkeit des Volkes herbei. Einige behaupten sogar, die Erkrankung Castros hat hinter den Kulissen einen Machtkampf innerhalb der Nomenklatura entfacht.

Es gibt ebenfalls Experten, die den USA und der Europäischen Union eine Rolle bei einem möglichen Zusammenbruch der Tyrannei zu sprechen.  

Inmitten aller Wahrsagungen versuchen die Vertreter des Regimes der Welt glaubhaft zu machen, dass Castro sich auf dem Wege der Besserung befindet und somit die Kontinuität des politischen Systems gewährleistet ist.

Man kann nicht von der Hand weisen, dass die eine oder die andere Möglichkeit tatsächlich eintritt. Jedoch sind sie nicht die einzigen Alternativen.

Das Schicksal Castros beeinflusst die Lage in Kuba, aber die entscheidenden Faktoren liegen anderswo.

Meines Erachtens ist entscheidend, dass Fidel Castro aus der Politik ausgeschieden ist. Seine körperliche und geistige Unfähigkeit machen seine Rückkehr unmöglich.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Frage, ob Raul Castros die Fähigkeit besitzt, den für das Land dringend benötigten Reformprozess einzuleiten. Nicht ganz irrelevant ist weiterhin die Frage, ob er tatsächlich sieht, dass Reformen erforderlich sind.

Bislang erfolgte die Nachfolge Fidel Castros reibungslos. Im Innland wird sie akzeptiert und im Ausland legitimiert.

Aber man darf dabei eines nicht übersehen: Die Machthaber sind weder Willens noch interessiert dem Volk Freiheit zu schenken.

Für mich ist die entscheidende Frage nicht - die Reaktion auf das von Castro hinterlassene Machtvakuum-  sondern die Reaktion der Dissidenten auf die neue Situation.

Ich glaube, dass der von der Opposition angestrebte Dialog mit der Regierung erst stattfinden wird, wenn sich die Tyrannei durch den inneren Druck ernsthaft bedroht fühlt.

Es ist illusorisch, auf Lösungen aus dem Ausland oder gutmütigen Gesten der kubanischen Regierung zu warten. Eine solche Haltung spricht dem Volk das eigene Potential ab.

Wir stehen vor einem Scheideweg: Entweder nehmen wir eine aktive Rolle ein oder wir warten ab, bis die Nachfolge sich endgültig vollzogen hat.

Ich darf erinnern an die brisanten Ereignisse in den Jahren 1989 und 1994. Damals zog man vor, auf eine spontane Reaktion des Volkes zu warten.

Das Volk befindet sich in einer hoffnungslosen Lage. Es hat aber nicht die Mittel, um seinen Willen durchzusetzen.

Die Wortführer der Opposition sollten die zivile Ungehorsamkeit als Kampfmethode annehmen. Das halte ich für das geeignete Druckmittel gegen das Regime, um eine Öffnung herbeizuführen.

Die Exilkubaner könnten auch eine große Rolle dabei spielen und die erforderlichen Mittel für Zivilaktionen innerhalb Kubas zur Verfügung stellen.

ENDE

Quelle: El Payo Libre