| Kubanische Intellektuelle fordern eine “Kulturrevolution” |
| Montag, 15. Januar 2007 | |
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Im Internet kursieren Zurzeit zahlreiche kritische Briefe kubanischer Künstler und Schriftsteller. Auslöser war das plötzliche Auftreten im kubanischen Fernsehen zweier der wichtigsten Kultur- Zensoren der 60er und 70er Jahre. Dadurch wurden bei vielen die Erinnerungen an die Verfolgungen von selbständig denkenden Kulturschaffenden in jenen Jahren wachgerufen. Auch ein in Berlin lebender kubanischer Autor, Amir Valle äußerte sich zu den Vorgängen in seiner Heimat. Autor: Boris Luis Santa Coloma
Die Gemüter der kubanischen Intellektuellen sind augenblicklich sehr erregt. Das Land will einen Wandel und sie wollen dabei Sprachrohr der Gefühle der Menschen werden. Die Regierung weiß das und versucht die rollende Lawine zu stoppen. Die zwei oben genannten Zensoren sollen wieder in öffentliche Ämter eingesetzt werden – zumindest empfinden die Intellektuellen das so- mit dem staatlichen Auftrag „Ordnung im Schiff zu schaffen und alle eventuellen Abweichler auf Linie zu trimmen“. Der Schriftsteller, Amir Valle, schloss sich den kritischen Stimmen seiner Kollegen an und wandte sich in einem offenen Brief im Internet an die Weltöffentlichkeit. Nach seiner Auffassung vollziehen sich seit der Erkrankung Fidel Castros interessante Entwicklungen an der Spitze der kubanischen Regierung, die man nicht aus den Augen verlieren darf. Der Autor des Romans „Habana Babilonia“ spricht sich für Reformen im System aus, allen voran für die Abschaffung menschenfeindlicher Praktiken, wie die Verfolgung und das Berufsverbot für Andersdenkende Schriftsteller und Künstler bezüglich ihrer Weltanschauung.
Die kubanischen Intellektuellen wollen eine „Wende“ in der Kulturpolitik. Amir Valle ist der Meinung, die Regierung hat nicht das Recht ohne vorherige Meinungsumfragen im Namen der gesamten Bevölkerung zu sprechen und zu handeln. Der Zivilgesellschaft sollte ein größerer Spielraum eingeräumt werden und die Intellektuellen müssen dabei ihrer Rolle gerecht werden können. Voraussetzung dafür ist jedoch, sie müssen zuerst ihre Ängste überwinden. In seinem Brief beschreibt Valle, wie die Machthaber durch raffinierte Methoden die öffentliche Meinung manipulieren. Vertrauensleute des Regimes werden in Schlüsselpositionen der Medien zur Kontrolle platziert. Er erwähnt als Beispiel den gegenwärtigen Vorsitzenden des kubanischen Rundfunkrates, ICRT. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Direktor der Filmabteilung der Armee, ein Mann des Vertrauens Raul Castros. Amir Valle erinnert an die früheren Verfolgungsjagden gegen „Abweichler“ in Kuba. Hauptverantwortliche waren damals der „Comandante“ Jorge Serguera, an der Spitze des Rundfunkrates und Luis Pavón als Kultusminister. Beide wurden vor kurzem wieder im Fernsehen gezeigt. Das brachte die Gemüter der Intellektuellen in Wallung. In beiden Fällen handelt es sich um Vertrauensleute von Raúl Castro (Mitglieder der „Alten Garde“). Die Frau des „Comandante“ Serguera war früher sogar Stellvertreterin von Vilma Espín, der Ehefrau von Raúl Castro. Nach Auffassung des Schriftstellers Amir Valle soll den Intellektuellen das Recht eingeräumt werden, auch für Medien zu arbeiten, die nicht unter der Kontrolle der kubanischen Machthaber stehen. Damit sind beispielsweise unabhängige Publikationen – wie die Zeitschrift „Encuentro de la Cultura Cubana“ gemeint, die das Thema Kuba vorrangig behandeln. Valle – eine kritische Stimme der kubanischen Intellektuellen – ruft seine Kollegen auf einen „würdigen Platz“ im bereits begonnen Wendeprozess in Kuba einzunehmen. Er schließt sich voll den Ideen des peruanisch-spanischen Schriftstellers, Mario Vargas Llosa in seinem Vergleich zwischen der linken und der rechten Diktaturen an. Beide haben etwas gemeinsam: Ihr Ziel ist die Meinung der Leute zu kontrollieren. ENDE |