Zensur auf dem internationalen Filmfestival von Havanna
Samstag, 2. Dezember 2006

Ein cubakritischer Beitrag aus Deutschland darf nicht laufen, weil der Name Fidel Castros erwähnt wird

borchmeyer

 

Florian Boschmeyer ist Autor eines Films über das zerfallene Havanna. Das Werk dürfte nicht beim kubanischen Filmfestival gezeigt werden. Das Kuba Magazin hat den Regieseur nach den angeblichen Motiven der kubanischen Regierung gefragt.

 

 

Kuba-Magazin:

Die Kubaner haben beschlossen, deinen Film: „ Havanna- die neue Kunst Ruinen zu schaffen“ auf dem Filmfestival nicht zu zeigen.

 

Borchmeyer:    

Das zumindest hat mir so die deutsche Botschaft und das Goethe Institut mitgeteilt. Ich selber habe nie einen Brief von den kubanischen Behörden bekommen, weil ich selbst den Film dort nie eingereicht habe. Denn bevor ich ihn überhaupt einreichen konnte oder bevor wir als                 Produktionsfirma den Film eingereicht haben, hat sich mit uns das Goethe Institut in Kontakt gesetzt und den Film angefordert. Die haben den Film gesehen, entschieden das der Film ihnen gefällt und vorgeschlagen, dass sie ihn beim Festival  in die deutsche Reihe des Festivals einbringen  wollen.

 

Kuba-Magazin:

Kannst du dir vorstellen, weshalb der Film beim kubanischen Filmfestival nicht gezeigt  wird?

 

Borchmeyer:    

Das ist - glaube ich - einen relativ einfachen Punkt, weshalb der Film nicht gezeigt wird: Weil am 2. Dezember die Feierlichkeiten zu Fidel Castros 80. Geburtstag sind, die Feierlichkeiten zum  50. Jahrestag der Landung der „Granma“ und das Filmfestival 3 Tage später anfängt und in diesem Film einer der Protagonisten von Fidel Castro sagt, das Fidel Castro die große Ruine Kubas sei und wir warten darauf – dass er in sich zusammen bricht. Und man möchte das natürlich nicht so gern in demselben Kontext  haben.

 

Kuba-Magazin:

Wird dieser Film in Deutschland gezeigt?

 

Borchmeyer:    

In Deutschland wird er gezeigt. In Deutschland wurde er schon gezeigt. Er hatte beim Filmfestival in München Primäre gehabt und einen konventionellen Kinostart ist am 1. Februar vorgesehen.

 

Kuba-Magazin:

Und im Fernsehen? 

 

Borchmeyer:  

Auf ARTE später. Das wird voraussichtlich im Sommer oder Herbst sein

 

Kuba-Magazin:          

Die zukünftigen Pläne Florian Borchmeyers?

 

Borchmeyer:    

In Kuba kann ich vorerst nicht mehr arbeiten. Aber ich hoffe das Mathias Hetschler und ich , die wir 10 Jahre in Kuba gearbeitet haben , dass bald wieder tun können.

 

Kuba-Magazin:

Herr Borchmeyer, vielen Dank für dieses Gespräch.