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Europa beharrt auf seiner alten Kuba-Politik, während auf der anderen Seite des Atlantiks neue Impulse zur Demokratisierung entstehen. Kuba ist klein und der europäische Schwerpunkt liegt in Asien. Das Thema Kuba ist leider nur noch Sache einer Handvoll europäischer Experten und Politiker.
Autor: Boris Luis Santa Coloma
Für Viele brachte das Jahr 2006 den Beginn des erwarteten kubanischen Wendeprozesses. Obwohl nicht alle die Auffassung teilen, dass dieses Ereignis der tatsächliche Beginn des Veränderungsprozesses auf Kuba wird, stimmen die meisten Analysten in der Meinung überein, dass die Nachricht über die Erkrankung Castros eine neue qualitative Situation in der Fortsetzung der bisherigen kubanischen Politik darstellt.
Wenn man zurückblickt auf das Jahr 1986 in der DDR, findet man erstaunliche Parallelen zwischen den Ereignissen damals im „ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaat“ und der Lage in Kuba heute, nach der Bekanntgabe der zeitweiligen Regierungsunfähigkeit Castros.
Diese Überlegungen sind das Hauptargument für alle die fest überzeugt
sind, in Kuba vollzieht sich heute eine „geistige Wende“ in den Köpfen
der Menschen. Die Dauer des Prozesses ist schwer vorauszusagen. In den
ehemaligen Ostblockländern dauerte es Jahre bis es zu Veränderungen
kommen konnte. In Kuba könnten vielleicht plötzliche unerwartete
Ereignisse Kettenreaktionen auslösen, die den Beginn der Veränderungen
beschleunigen würden.
Wann die „Mauer aus Zuckerrohrbagasse“ fallen wird, ist jetzt jedoch
nur noch eine Frage der Zeit. Der Weg bis dahin kann sehr verschieden
sein, aber egal wie lange es dauern wird, die geistige Wende hat
bereits begonnen.
Dabei ist es nur der Anfang von einem langen und komplizierten Prozess, denn Kuba steht vor riesigen Herausforderungen.
Die Hinterlassenschaften im wirtschaftlichen Bereich bieten ein fatales
Bild. Betriebe mit veralterter Technik aus Ostblockzeiten und einer
permanenten Abhängigkeit von ausländischer Hilfe sind
die Regel in der kubanischen Wirtschaft. Die zunehmende Verarmung ist
eine der folgen der Kommandowirtschaft der Regierung. Dessen Ziel es
ist, die eigene Macht aufrecht zu erhalten, anstatt sich mit der Lösung der einfachsten materiellen Bedürfnisse der Bevölkerung zu befassen.
Nach den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der 90. Jahre (Período
Especial) tauchte Venezuela als „Retter in der Not“ auf. Kuba bezieht
gegenwärtig mehr als 100 000 Barrels Öl zu bevorzugten Preisen aus
Venezuela. Der größte Teil davon wird von der Regierung in Havanna zu
höheren Preisen weiterverkauft. Weitere
wichtige Stützen der kubanischen Wirtschaft sind: die großzügigen
Kredite aus China, die Geldüberweisungen der Exil-Kubaner an ihre
Angehörigen auf der Insel (ca. $ 500 Millionen jährlich) sowie der Tourismus aus Europa, Kanada und Lateinamerika.
Trotz aller dieser Einnahmequellen bleibt der kubanische Binnenmarkt
schwach und konzeptlos – in einer noch schlimmeren Lage, als in der
Zeit der Subventionierungen aus Osteuropa. Der kubanische Staat sieht
nach wie vor keinen Verbesserungsbedarf an seiner bisherigen Wirtschaftpolitik.
Schwerpunkt des kubanischen Binnenmarktes bleibt der Schwarzhandel mit
gestohlenen Waren aus den Betrieben. Die Regierung verfügt über kein
wirksames Vorwärts bringendes Konzept der Steuer- und Währungspolitik.
Die Entscheidungen werden situationsabhängig „aus dem Bauch“ getroffen. Dieser Fakt und das Desinteresse der Regierung -
die Lebensverhältnisse der Bevölkerung zu verbessern, hat zu einer
weiteren Verschlechterung der gesamten wirtschaftlichen Lage
beigetragen.
Es muss eine Liberalisierung des Marktes und der produktiven Kräfte erfolgen - jedoch unter staatlicher Aufsicht- um zu vermieden das schlagartig das Ruder in die entgegen gesetzte
Richtung herumgerissen wird. Die schrittweise Einleitung
marktpolitischer Veränderungen wäre das beste Mittel, um die
Entfesselung eines schwer handhabbaren Kapitalismus „a la Russland“ zu verhindern.
Weitere Probleme – die die zukünftige demokratische Regierung Kubas zu
bewältigen habe – ist die Anerkennung der getätigten Investitionen nach
1959 – die Meisten davon aus Europa – und die Rückgabe des Alteigentums
an Firmen und Privatleute. Die Deutschen können ein Lied davon singen,
da sich dieser Prozess bis in die heutige Zeit hinausgezogen hat. .
Dieses Thema des Umgangs mit enteignetem Privatbesitz wird seit einiger
Zeit verstärkt von der kubanischen Regierung in eigener Sache
manipuliert. Eine eindeutige Klärung der Eigentumsfragen auf Kuba und
die Ausarbeitung Handhabären Regelungsvorschlägen – jetzt und heute – wäre zweifellos ein wichtiger Beitrag zur Wende.
Eine weitere ungeklärte Frage ist die Lösung der kubanischen
Verpflichtungen dem Ausland (ca. 60 000 Millionen) gegenüber. Viele
dieser Mittel wurden von der kubanischen Regierung schlecht
erwirtschaftet oder in megalomanen Prestigeprojekten falsch verwendet.
Teilweise wurden sie auch zur Unterstützung eines totalitären Regimes,
das das Volk jahrzehntelang unterjochte, eingesetzt.
Zur Erinnerung: Nach 1898 versuchte Spanien vergeblich, die
neue kubanische Regierung zur Anerkennung der Verpflichtungen der Insel
gegenüber ihrer alten Kolonialmacht zu bewegen. Madrid stellte der
neuen kubanischen Regierung die entsprechende Forderung zur Begleichung
der Altschulden, aber der Antrag wurde mit der Begründung
zurückgewiesen, diese Mittel wären gegen das kubanische Volk verwendet
worden und daher nach internationalem Recht nicht als Beitrag zur
Verbesserung des Wohlstandes der Bevölkerung auf der Insel anzusehen.
Ein weiterer problematischer Aspekt für die zukünftige
Regierung wird die Verbesserung der Infrastruktur sein. Das Straßen-
und Schienennetz befindet sich in einem desolaten Zustand.
Mammutprojekte wie der Bau einer achtspurigen Autobahn oder die
Errichtung einer zweigleisigen Zugverbindung zwischen Havanna und
Santiago wurden - obwohl vom RGW finanziert - nie vollendet. Weiterhin
ist die Liste der Mängel und Defizite an lebenswichtigen
Dienstleistungen für Industrie und Verbraucher ist sehr lang. Das Land
liegt heute in der Entwicklung auf den verschiedenen Gebieten viele
Jahre hinter ihrer lateinamerikanischen Nachbarn. zurück.
Die Standards in Gesundheits- und Bildungswesen – die
beiden Vorzeigeprojekte der Propaganda der Regierung – sind mangelhaft
und haben ein sehr niedriges Niveau, wegen des wirtschaftlichen
Rückstands. Die schlechten Hygienebedingungen verursachen Seuchen.
Dengue-Epidemien tauchen permanent auf. All das stellt eine enorme
Herausforderung dar. Das Land braucht grundlegende Veränderungen, um
die vielen Probleme zu meistern. Aber unter den derzeit
herrschenden politischen Bedingungen ist Kuba nicht in der Lage
selbständig die dringend benötigten Veränderungen aus eigener Kraft zu
bewältigen. Das Land ist auf Hilfe von außerhalb angewiesen.
Ein weiteres großes Problem ist die Umwelt. Das Land zahlt heute die Zeche der willkürlichen Politik nach 1959.
Es sind Milliarden erforderlich um ganze Gegenden und Küstengebiete zu
sanieren und sie vor der kompletten Zerstörung zu retten. Wegen der
übertriebenen Bewässerung der Zuckerrohrplantagen ist der
Grundwasserspiegel in vielen Regionen dramatisch gesunken. Es ist
bekannt, dass bei einem Absinken des Grundwasserspiegels unter einem
bestimmten Pegel, das Süsswasser sich mit dem Salzwasser der
umliegenden Meere vermengt und das Grundwasser damit unbracuhtbar als
Trinkwasser sowie als Brauchwasser wird. Maßnahmen zur rationellen
Nutzung der natürlichen Wasserressourcen müssen ein Muss für die
zukünftige Wirtschaftspolitik werden.
Die Liste der Herausforderungen für die zukünftigen demokratischen Regierung ist lang und beschränkt sich nicht nur auf wirtschaftliche, ökologische oder juristische Gebiete.
Eine weitere offene Frage ist die Rolle des Militärs. Auf
beiden Seiten des Atlantiks sprechen die Kuba-Experten über die
Schlüsselrolle der kubanischen Armee im Wendeprozess. Es hört sich fast
wie eine Begeisterung für die Militärs als Träger einer
wirtschaftlichen Veränderung - wie in China oder Vietnam - an.
Tatsächlich stellt das Militär in Kuba auch eine bedeutende
Wirtschaftsmacht dar, es befinden sich heute mehr als 50% der
kubanischen Wirtschaft in den Händen der Armee. Auch im
Gewinnträchtigen Geschäft Tourismus sind die kubanischen Generäle als
„Unternehmer“ präsent.
Erstaunlicher Weise ist dabei zu bemerken, dass die Gegner der eventuell zurückehrenden Exil-Kubaner diese neue Schicht der „Kapitalisten“ – Generäle wohl wollender betrachten, als die zurückkehrenden Exilkubaner mit eventuellen Rückerstattungsansprüchen – wenn es überhaupt welche gäbe -.
Dabei wird übersehen, dass diese Generäle die kubanische
Belegschaft ihrer Unternehmen, arbeitsrechtlich und gewerkschaftlich
entmündigt haben, indem sie der Belegschaft kein Mitspracherecht in den
Betrieben zugesteht. Kuba wurde wiederholt von der Internationalen
Arbeitorganisation (International Labour Organisation) wegen
Missachtung der Beschlüsse hinsichtlich Arbeitsrecht und freie
Gewerkschaften verurteilt.
Trotz ihrer bis jetzt wenig ruhmreichn Rolle,
wird die Armee mit großer Wahrscheinlichkeit ein wichtiger Faktor in
der bereits begonnen Wende darstellen. Eine Militärdiktatur mit einer
scheinbar demokratischen Regierung als Fassade, ist daher nicht
auszuschließen. Die Armee wird nicht ohne weiteres ihre Privilegien
aufgeben. Egal wer in der Zukunft regieren wird, man wird mit den
Generälen verhandeln müssen. De facto wurde Kuba jahrzehntelang von
einer getarnten Militärdiktatur regiert. Nicht um sonst trägt die
Hauptperson des Landes den Dienstgrad eines „Comandante en Jefe“
(Oberster Kommandant)
Eine weitere wahrscheinliche Erscheinung der ersten
Wendejahre, die für eine stärkere Rolle der Militärs spricht, ist die
soziale Unsicherheit während des Demokratisierungsprozesses.
Ein halbes Jahrhundert unter der Alleinherrschaft eines
einzigen Menschen hat die Kubaner misstrauisch und intolerant gegenüber
anderen Ideen gemacht. Die Demokratie ist nicht nur der natürliche
Zustand des Menschen, sondern auch die Basis für die Entwicklung aller
Bereiche in das zukünftige Kubas. Aber für die Kubaner wird ein
Umdenkprozess erforderlich. Die falsche repressive Politik der
Regierung hat dazu geführt, dass heute die Gewalt leider allgegenwärtig
in der kubanischen Gesellschaft präsent ist. Die Leute auf Kuba müssen
lernen, dass die Probleme nicht mit Gewalt, sondern durch Dialog zu
lösen sind.
Sie müssen einfach im Geist der Toleranz erzogen werden.
Nach der Franco Diktatur haben die Spanier von heute auf
morgen ihre Freiheiten wiederbekommen. Man nannte damals diesen Prozess
- „Destape“ – übersetzt: aufdekeln –. Der
kubanische„Destape“ kann jedoch in anarchische Zustände ausarten. Man
muss befürchten, Parteien, Gewerkschaften und einzelne Gruppen könnten
nach Einführung der Demokratie auf Kuba in unendliche Streitigkeiten –
wahrscheinlich auch unter Gewaltanwendung – aufeinander losgehen. Die
Wahrscheinlichkeit, dass diese Situation eintritt, ist ein weiterer
Grund, der für eine nicht unbedeutende Rolle der Armee im kubanischen
Demokratisierungsprozess spricht.
Ein weiteres bis jetzt unbekanntes Phänomen das in der Ära
nach Castro auftauchen könnte ist der Rassismus. Nach 1959 wurde
offiziell die Rasendiskriminierung abgeschafft. In der Praxis jedoch
sind die Weißen weiterhin die Entscheidungsträger geblieben. Ein Blick
in der Zusammensetzung des jetzigen Politbüros macht deutlich, welche
Volksgruppe im heutigen Kuba die Oberhand hat. Die farbige Bevölkerung
wird in fast allen Lebensbereichen benachteiligt. Die meisten Opfer der
gegenwärtigen willkürlichen Verfolgungen des kubanischen
Sicherheitsapparates sind Menschen schwarzer Hautfarbe. Die farbige
Bevölkerung wird auch benachteiligt bei der Vergabe von
gehobenen Posten im Berufsleben. Im Zuge des bevorstehenden kubanischen
„Destape“ könnten daher Gewaltausbrüche mit rassistischem Hintergrund
nicht ausgeschlossen werden. Die angestaute Wut der farbigen
Bevölkerung Kubasnnte sich gegen eine erneute dominante Herrschaft der Regierungsträger mit weisser Hautfarbe richten.
Der jahrzehntelange Schwarzhandel mit gestohlenen Gütern
hat zum Zerfall der moralischen Werte innerhalb der Bevölkerung
geführt. Die Kubaner werden in der Zukunft lernen müssen, Gesetze zu
akzeptieren und zu achten sowie das verloren gegangene demokratische
Sozialverhalten zurück zu gewinnen. Die Menschen entwenden aus ihrer
Umgebung Vieles ohne zu fragen. Begriffe wie Korruption oder
Schmiergeld sind ihnen nicht unbekannt. Nach jahrzehntelanger Knappheit
hat das Wort Eigentum eine andere Bedeutung in der kubanischen
Bevölkerung erlangt. Für den Kubaner ist das Entwenden von Waren /
Dingen - falls man an der „Quelle“ sitzt – selbstverständlich und
teilweise überlebensnotwendig. Für die erste Zeit nach einem Wechsel zu
einer demokratischen Regierung ist es daher ratsam Verhaltensseminare
bezüglich des Eigentumverständnisses durchzuführen. Dort sollten die
Menschen elementarste Grundsätze des Umganges mit Eigentum
verschiedenster Art wieder neu erlernen, die im Laufe der
Regierungszeit Castros abhanden gekommen sind. Beispielsweise den
Umgang mit den Arbeitsmitteln - sie nicht zu entwenden oder die durch
persönlichen Einsatz geschaffenen Leistungen einen höheren moralischen
Stellungswert als bisher einzuräumen.
Ein anderes Thema für die Zeit der demokratischen Reformen
wird das der zurückkehrenden Exilkubaner und ihre Vorstellungen für die
weitere Entwicklung auf Kuba. Die Wirtschaft Kubas wird dann sicher von
einer kleinen Gruppe gesteuert und die Privatinitiativen sind nicht
gestattet.
Es liegt auf der Hand, dass sich nach der Wiedereinführung
der Demokratie die Kubaner auf der Insel sowie die aus dem Exil am
Wiederaufbau Kubas beteiligen wollen. Jedoch im Gegensatz zu dem was
mancher Journalist oder Politiker heute darzustellen versucht, rechnen
die wenigsten Exilkubaner tatsächlich mit einer Rückkehr in ihre alte
Heimat. Das oft in der Presse beschworene Bild von einer
„Flotte der Freiheit“, die im Hafen von Miami auf den „Tag X“ wartet,
ist nichts weiter als ein Hirngespinst. Die meisten Exil-Kubaner in den
USA leben bereits in der zweiten Generation. Sie genießen Wohlstand und
die Wenigsten denken daher an eine Rückkehr. Wer es nicht glaubt, der
sollte nur einmal eine Umfrage unter den in Europa lebenden Kubaner
starten. Das Ergebnis wird viele überraschen. Auch die über viele Jahre
in Europa lebenden Kubaner haben sich ihr Leben eingerichtet und nur
Vereinzelte denken an eine ständige Rückkehr auf die Insel.
Auf der anderen Seite wird diese geringe Zahl
zurückkehrender Exilkubaner es im Zusammenleben mit der kubanischen
Bevölkerung nicht leicht haben. In Kuba sind zwei Generationen geboren,
die nur ein Leben unter einem totalitären System kennen. Man darf
diesen Fakt nicht unterschätzen. Sie werden sich nicht von den
Neuankömmlingen „die Butter vom Brot nehmen lassen“. Es ist davon
auszugehen, dass die Kubaner auf der Insel nur sich selbst in erster
Linie das Recht einräumen beim Aufbau der neuen Staatsordnung die
ausschlaggebenden Posten an den neuen Schalthebeln der Macht
einzunehmen. Das könnte zu einem Zusammenstoß zweier Kulturen mit
verschiedenen erfahrungsgeprägten Ausgangspunkten und Vorstellungen vom
Entwicklungsverlauf auf Kuba führen. Konflikte sind daher schon
vorprogrammiert. Kaum ein Europäer kann sich vorstellen, wie groß heute
die Kluft zwischen beiden kubanischen Volksgruppen ist. Aus heutiger
Sicht stellt das ein fast schon unlösbares Problem dar. Der heutigen
Opposition steht in dieser Auseinandersetzung eine Vermittlerrolle zu.
Durch ihre Kontakte zu den kubanischen Exilgemeinden sind sie bestens
geeignet zwischen beiden Gruppen zu vermitteln, um Lösungen in diesem
schwierigen Konflikt zu suchen. Eine Stärkung der Opposition ist daher
nicht nur Pflicht sondern auch ein Beitrag und eine unumgängliche
Voraussetzung zum friedlichen Verlauf der Wende.
Eine weitere Herausforderung für die zukünftige
demokratische Regierung Kubas wird die Aufrechterhaltung
gutnachbarschaftlicher Beziehungen zu den USA werden. Die Nähe zum
mächtigsten Land der Erde stellt für die Kubaner ein Problem aber
Gleichzeitig eine Chance dar.
Es ist vorauszusehen, dass nach dem Beginn des
Demokratisierungsprozesses der Zustrom von Exilkubaner nach Kuba
geringer auffallen wird, als der - der Kubanern von der Insel in die
USA. Es ist vorauszusehen, dass besonders die jungen Kubaner die neuen
Freiheiten nutzen werden, um das Land in Richtung USA zu verlassen. Man
muss daher mit Spannungen zwischen der zukünftigen demokratischen
Regierung Kubas und Washington wegen eines eventuellen
Auswanderungsstromes rechnen. Die Erinnerungen an den Massenexodus im
Jahre 1980 sind immer noch frisch. Die kubanischen Behörden werden
große Anstrengungen unternehmen müssen, um diesem Massenexodus,
besonders unter der jubanischen Jugend vor zu beugen.
Das beste Mittel dagegen ist eine spürbare Erhöhung des Lebensniveaus
der Bevölkerung nach der Wende. Jeder Einzelne auf der Insel sollte das
Gefühl haben, mit Einsatz ist ein lebenswertes Dasein auf Kuba möglich.
Auf der anderen Seite ist die USA willens Kuba bei einer
erfolgreichen Wende zu unterstützen. Die Nähe zu den USA stellt für die
demokratische Entwicklung auf Kuba einen wesentlichen Vorteil dar. Die
Tatsache, dass auch die USA in erster Linie –wegen der geographischen
Lage Kubas- an einem Verbleiben der Kubaner auf der Insel interessiert
sind, spricht für ein amerikanisches Engagement in der wirtschaftlichen
Entwicklung Kubas unter einer demokratischen Regierung. ile
verschaffen. Eine Anpassung der kubanischen Strukturen an die
Bedürfnisse der Freihandelszone mit Nordamerika muss die Hauptaufgabe
der zukünftigen Regierung Kubas werden. Europa und die EU liegen weit
weg und die Insel braucht dringend Hilfe, um so schnell wie möglich die
Wirtschaft wieder im Gange zu bringen. Die gegenwärtigen maroden
wirtschaftlichen Strukturen bieten keine guten Chancen dafür. Man muss
von Null anfangen. Gerade darin liegt die große Chance
für Kuba, denn beim Wiederaufbau könnte man die neuen
Wirtschaftstrukturen so gestalten, dass sie an die Bedürfnisse des
nordamerikanischen Marktes angepasst werden. Das zukünftige Kuba soll
nicht gegen die Strömung, sondern mit der Strömung in der heutigen
globalisierten Welt schwimmen lernen.
Die Aufgaben sind gewaltig. Es wird sich zeigen, ob die
Kubaner in der Lage und bereit sind, ihr Schicksal mit Vernunft in ihre
eigenen Hände nehmen zu können. Man darf ihnen aber auch dieses Recht nicht absprechen.
Was kann das ferne Europa für die kleine Insel tun? Was
erwarten die kubanischen Demokraten und die reformwilligen Kräfte Kubas
von ihren europäischen Partnern?
Zunächst ist es wichtig den Willen der Kubaner zu
respektieren. Zum Glück ist die vorherrschende Meinung in Europa, dass
die Inselbewohner diejenigen sind, die über ihr eigenes Schicksal zu
entscheiden haben. Es gibt jedoch Dinge, mit denen die Europäer den kubanischen Wendeprozess unterstützen könnten.
Da ist die Frage der veruntreuten Gelder, die von den
jetzigen Machthabern und ihren Angehörigen augenblicklich verstärkt
nach Europa geschmuggelt und gewinnbringend angelegt werden. Der
kubanische Staat ist rechtsmäßiger Eigentümer dieser Gelder.
Die Europäer und vor allem die Deutschen haben noch den
Skandal um Schalk Golodkowski und die Briefkastenfirmen – kurz vor der
Auflösung der ehemaligen DDR- in Erinnerung. In ähnlicher Weise schickt
die jetzige Machtriege in Havanna ihre Kinder nach Europa, um dort neue
Firmenimperien zu gründen. Die dafür verwendeten Gelder sind Eigentum
des kubanischen Volkes. Es handelt sich um Mittel, die die zukünftige
demokratische Regierung für den Aufbau benötigt. Die Europäer könnten
den kubanischen Demokraten helfen, in dem sie diese Machenschaften
aufmerksam verfolgen und zu gegebener Zeit die veruntreute Mittel
sicherstellen.
Das europäische Parlament könnte auf diese Verdachtsituation eingehen und klärende Untersuchung dazu
einleiten. Es gibt schon ein praktikables Beispiel aus der näheren
Vergangenheit Die europäischen Konten der weißrussischen Staatsführung
wurden eingefroren. Außerdem hat die EU ein Einreiseverbot gegen die
Helfershelfer des weißrussischen Machthabers Lukaschenko verhängt. Das
kubanische Regime ist nicht weniger undemokratisch und Autoritär als
die Regierung Lukaschenkos.
Oder gibt es salonfähige Diktaturen?
Europa kann die Wende in Kuba mit vielen Initiativen
unterstützen. Es wäre vielleicht angebracht eine europaweite Diskussion
zum Thema Kuba zu eröffnen. Kein Thema darf aus dieser Diskussion
ausgeschlossen werden, auch nicht die so genannte Wirtscahftsblockade
der USA.
Eine offene Agenda über die Zukunft Kubas ist unbedigt von
Nöten. Die oben erwähnten Schwerpunkte bieten eine Grundlage zur
Diskussion, was man tun könnte und vor allem wie man aus Europa die
bereits begonnen Wende unterstützen könnte.
Niemand soll sich aus diesem Diskussionsforum ausgeschlossen fühlen.
Die „Gruppe der Freundschaft und der Solidarität mit dem
kubanischen Volk“ des Europäischen Parlaments (Grupo de Amistad y
Solidaridad con el Pueblo de Cuba) und weitere Gruppen, die sich mit
dem Thema Kuba befassen, würden Gelegenheit haben ihre Standpunkte
gezielter und umfassender unter einer neuen Perspektive darzulegen.
Kernpunkt des Forums sollte: die Unterstützung der
Kubaner unter neuen Gesichtspunkten – die sich aus der veränderten
Situation in Kuba ergeben – ohne Vorurteile sein. Der Beitrag der
Europäer zur kubanischen Wende soll im Wesentlichen zur Verbesserung
der Beziehungen zwischen Kuba und der Europäischen Union sowie zwischen
allen Kubanern und den Europäern beitragen.
Im Jahre 1989 – kurz vor dem Fall der Berliner Mauer –
sagte Mijail Gorbachov dem damaligen DDR-Machthaber „Wer zu spät kommt,
den bestraft das Leben“. Die Kubaner erwarten die Beteiligung der
Europäer beim Wiederaufbau. Aber die Grundlagen für diese
Zusammenarbeit müssen jetzt gelegt werden. Die abwartende Haltung der
europäischen Außenpolitik in der Sache Kubas ist keine Antwort auf die
neuesten Entwicklungen auf der Insel und die Zeit drängt.
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