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Das Wunschdenken eines Gestrigen: Castros Kritik an der Nutzung des Ethanols aus Zuckerrohr als Brennstoff.
Der kubanische Staatschef äußerte vor ein Paar Monaten – im Zusammenhang mit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten in Brasilien - er (Castro) fände es eine Schweinerei, wenn man – wie die Yankees – „den Armen den Mais vom Teller nimmt, um ihn den Reichen als Ethanol in den Tank zu füllen“. Seine Kritik gilt Brasilien, das mit seinem höchst erfolgreichen Bio-Treibstoffprogramm auf der Basis von Zuckerrohr die Ethanol-Weltmacht Nummer eins werden will. Was steckt in Wirklichkeit hinter Castros Debatte?
Der kubanische Journalist, Jorge Fonseca, schrieb für das Kuba Magazin, seine Meinung über die unbegründeten Sorgen des noch kubanischen Staatschefs und dessen angebliche Gründe für den neuen Kreuzzug gegen die Bio-Treibstoffe. Fonseca lebt seit vielen Jahren in Brasilien und gilt als Insider der brasilianischen Politik.
Zucker versus Ethanol: Castros Kritik an Bio-Treibstoffen
Autor: Jorge Hernández Fonseca aus Brasilien
2007-05-11
Von seinem Krankenbett aus gibt Castro noch immer wichtige Anweisungen: Brasilien soll die Finger von jeder Abmachung mit den Amerikanern lassen. Gemeint ist der Handel mit Ethanol. Die Brasilianer wollen den Durst des amerikanischen Marktes nach diesem erneuerbaren Brennstoff stillen. Für Castro ist jeder Handel mit dem gehassten Feind ein Dorn im Auge – vorausgesetzt er ist nicht selbst der Vertragspartner. Wenn es um Dollar geht, kennt er weder Freund noch Feind.
Vor allem - wenn jemand Anderer als der „Máximo Lider“ das
gewinnträchtige Ethanolgeschäft mit dem reichen Nachbarn aus dem Norden
für sich beansprucht. Da spielt es keine Rolle, ob der Begünstigte aus
dem linken Spektrum stammt und Lula da Silva heißt. Die
Argumentationen Castros zu diesem Problem sind: „Es ist inhuman
Nahrungsmittel als Brennstoffe zu verwenden“. Nach Auffassung des
kubanischen Staatschefs macht Brasilien damit einen großen Fehler.
„Es ist eine irrsinnige Entscheidung“ - argumentierte Castro weiter.
„Die
Nutzung der Nahrungsmittel als Brennstoffe wird unweigerlich zur
Welthunger führen“ – versichert Castro in seiner neuesten
apokalyptischen These. Nach seiner Auffassung werden die armen Länder
die Hauptbetroffenen dieser Fehlentscheidung sein, die den Schritt
wagen, einen Teil ihrer landwirtschaftlichen Produktion auf die
Brennstoffherstellung umzustellen. Diese Behauptung Castros entbehrt
jedoch jeder Logik. Denn wie bekannt, ist es der Mangel an Arbeit in
gewinnträchtigen Bereichen der armen Volkswirtschaften und nicht die
Ethanolproduktion, die Ursache der Engpässe in der Versorgung der
Bevölkerung mit ausreichenden Lebensmitteln.
Die Wirtschaften der
armen Länder sollten sich in einem größeren flexibleren Maße an die
Nachfrage des Weltmarktes anpassen. Dem entsprechend würde ihre
nationale Produktion profitabler und die Lebensbedingungen der
jeweiligen Bevölkerung würden sich verbessern. Man bleibt arm, wenn
sich niemand für seine Produkte und Dienstleistungen interessiert. In
diesen Ländern hungern die Menschen, weil das nötige Geld fehlt, um die
fehlenden Lebensmittel kaufen zu können. Der Mangel an Lebensmitteln
ist ein Ergebnis und nicht die Ursache des Problems. Bei vollen Kassen
findet sich immer Jemand der bereit ist, den Lebensmittelbedarf zu
decken.
Wichtig wäre daher - den armen Ländern bessere Chancen bei
der internationalen Arbeitseinteilung zu verschaffen, um ihnen bessere
Verdienstmöglichkeiten in der globalisierten Welt zu ermöglichen.
Dadurch würden diese Länder angeregt, verstärkte Anstrengungen zu
unternehmen, um die gewinnbringenden volkswirtschaftlichen Bereiche
besonders zu fördern.
Die Behauptung Castros – oder wer unter
seinen Namen die Nutzung des Zuckerrohrs für die Ethanolherstellung
auch immer brandmarkte - spiegelt das ideologische Grundkonzept der
kubanischen Machthaber wieder. Nicht die Theorie von „Angebot und
Nachfrage“ bestimmen gemäß der die kapriziöse Interpretation des
kubanischen Marxismus das Gleichgewicht eines Marktes, sondern die
Vorstellung: „Entweder man produziert Lebensmittel für die Menschen
oder Brennstoff. Beides gleichzeitig geht nicht“. Durch die Nutzung von
Mais oder Zuckerrohr für die Ethanolherstellung kann es tatsächlich zu
einer vorübergehenden Verteuerung der Lebensmittel kommen. Jedoch auf
der anderen Seite – das ist der fortschrittliche Aspekt - werden neue
bislang ungenutzte Möglichkeiten des Mais- und Zuckerrohanbaus und
-nutzung entstehen.
Es kann so zu einer boomenden
Wirtschaftsentwicklung kommen, aus der alle profitieren: Die
Industrienationen und die armen Länder. Ganz sicherlich werden auch
neue Produktionsstätten und somit Arbeitsplätze entstehen. Zum Schluss
werden sich die Märkte beruhigen und die Preise für Mais und Zucker
werden fallen.
Die technischen Neuerungen – wie in unserem Falle
der Nutzung des Ethanols als Brennstoff – haben immer auch einem neuen
Schub zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen gebracht.
Die
Marktgesetzte sind schon immer für Fidel Castro ein Hindernis in seiner
Megalomanie gewesen. Er beachtete sie nicht, als er versuchte den
Sumpft „Zapata“ auszutrocknen (eine Ökologische Sünde!) oder als er
ganze landwirtschaftliche Gebiete Kubas für den staatlich
kontrollierten Weinanbau umfunktionierte. (damals sollte Kuba mit
Spanien und Italien in der Weinproduktion konkurrieren!). Aber die
Markgesetzte sind eine Realität - unabhängig vom Willen Castros und
seiner neuen apokalyptischen Visionen.
Der beste Beweis seiner irreführenden Logik ist Brasilien selbst.
Nach
dem Castro- Prinzip „entweder Äthanol oder Zucker“ sollte Brasilien
jetzt weniger Zucker produzieren als vorher. Aber das Gegenteil ist der
Fall.
Im Jahre 2006 produzierte Brasilien 17.500 Millionen Liter
Äthanol auf Zuckerohrbasis und 26 Millionen Tonen Zucker. Doch anstatt
laut Castro weniger zu produzieren, ist das Ziel der brasilianischen
Wirtschaft für 2007: 20.000 Millionen Liter Äthanol aus
Zuckerrohrbasis und 30 Millionen Tonen Zucker zu produzieren. Seit 35
Jahren verzeichnet die brasilianische Zuckerproduktion ein ständiges
Wachstum und das trotzt zusätzlicher Ethanolproduktion.
Brasilien
beweist, es ist möglich mehr Brennstoffe und mehr Lebensmittel zur
selben Zeit zu produzieren. Das widerlegt die neue apokalyptische These
Castros, dass „eine größere Brennstoffproduktion weniger Lebensmittel
auf der Welt bedeuten würde“. Seine Vorstellung: .. „die Nahrungsmittel
werden knapp, wenn ein Teil der Nahrungsmittelproduktion für die
Energiegewinnung eingesetzt wird“ bleibt eine fatalistische Prognose
ohne Realitätsbezug.
Gegen alle schwarzen Zukunftsaussichten Castros
öffnet die Ethanolproduktion auf Zuckerrohrbasis neue Perspektiven für
die armen Länder Lateinamerikas, Asiens und Afrikas. Dort leiden die
Menschen an Hunger, nicht weil sie Ethanol herstellen, sondern weil sie
keine sicheren Einkommensquellen haben.
Wenn die Industrienationen
tatsächlich Ethanol brauchen, was spricht dagegen, dass die armen
Länder Ethanol produzieren? Warum soll Zucker auf dem Weltmarkt knapp
werden? Brasilien hat bereits angeboten, denjenigen die sich dafür
interessieren, die entsprechende Technologie zu verkaufen.
Vielleicht
steckt in dieser Debatte Castros die verdeckte Absicht, die
brasilianische Bereitschaft der Nutzung des Äthanols aus Zuckerrohr zu
verhindern.
Es gibt noch einen anderen Aspekt, der für eine verstärkte Nutzung des Ethanols als Brennstoff spricht:
Die
noch vorhandenen nicht erneuerbaren Energiequellen werden immer
knapper. Die Auseinandersetzung um ihre Kotrolle erzeugt im wachsenden
Maße Konfrontation und Kriege in der Welt. Eine verstärkte Nutzung des
Ethanols und weiterer erneuerbarer Energieträger würde dazu beitragen,
internationale Spannungen abzubauen. Es würde eine geringere
Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas geben. Spannungspotentiale können
dadurch minimiert werden.
Mit seinen dunklen Zukunftsprognosen
versucht Castro seine in Vergessenheit geratene Rolle als Weltvisionär
auf zu polieren. Er gibt seine Versuche als Prophet in die Geschichte
einzugehen selbst im Krankenbett nicht auf. Vom eigenen Volk will er
weiter als der unbeirrbare Führer und als oberste Autorität der Insel
anerkannt und respektiert werden. Die Armen dieser Welt brauchen jedoch
Optionen, um aus der Armut und der Ignoranz herauszukommen. Castros
eigenes Volk sehnt sich schon lange nach neuen Wegen zu einer
demokratischen und besseren Zukunft. Aber auf der Suche nach gangbaren
Alternativen für sein eigenes Land sind die Visionen Castros eher
kontraproduktiv.
ENDE
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