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"Schwarzer Frühling in Havana

gesendet im März 2007

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Karikatur

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Politische Häftlinge in Kuba
Zucker versus Ethanol: Castros Kritik an Bio-Treibstoffen Drucken E-Mail
Mittwoch, 16. Mai 2007
Das Wunschdenken eines Gestrigen: Castros Kritik an der Nutzung des Ethanols aus Zuckerrohr als Brennstoff.


Der kubanische Staatschef  äußerte vor ein Paar Monaten – im Zusammenhang mit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten in Brasilien - er  (Castro) fände es eine Schweinerei, wenn man – wie die Yankees – „den Armen den Mais vom Teller nimmt, um ihn den Reichen als Ethanol in den Tank zu füllen“. Seine Kritik gilt Brasilien, das mit seinem höchst erfolgreichen Bio-Treibstoffprogramm auf der Basis von Zuckerrohr die Ethanol-Weltmacht Nummer eins werden will. Was steckt in Wirklichkeit hinter Castros Debatte?

fonseca

 

Der kubanische Journalist, Jorge Fonseca, schrieb für das Kuba Magazin, seine Meinung über die unbegründeten Sorgen des noch kubanischen Staatschefs und dessen angebliche Gründe für den neuen Kreuzzug gegen die Bio-Treibstoffe. Fonseca lebt seit vielen Jahren in Brasilien und gilt als Insider der brasilianischen Politik.

 

 

Zucker versus Ethanol: Castros Kritik an Bio-Treibstoffen

 

Autor: Jorge Hernández Fonseca aus Brasilien
2007-05-11

Von seinem Krankenbett aus gibt Castro noch immer wichtige Anweisungen:  Brasilien soll die Finger von jeder Abmachung mit den Amerikanern lassen. Gemeint ist der Handel mit Ethanol. Die Brasilianer wollen den Durst des amerikanischen Marktes nach diesem erneuerbaren Brennstoff stillen. Für Castro ist jeder Handel mit dem gehassten Feind ein Dorn im Auge – vorausgesetzt er ist nicht selbst der Vertragspartner. Wenn es um Dollar geht, kennt er weder Freund noch Feind.

Vor allem - wenn jemand Anderer als der „Máximo Lider“ das gewinnträchtige Ethanolgeschäft mit dem reichen Nachbarn aus dem Norden für sich beansprucht. Da spielt es keine Rolle, ob der Begünstigte aus dem linken Spektrum stammt und Lula da Silva heißt. Die Argumentationen Castros zu diesem Problem sind: „Es ist inhuman Nahrungsmittel als Brennstoffe zu verwenden“. Nach Auffassung des kubanischen Staatschefs macht  Brasilien damit einen großen Fehler.  „Es ist eine irrsinnige Entscheidung“ - argumentierte Castro weiter.

„Die Nutzung der Nahrungsmittel als Brennstoffe wird unweigerlich zur Welthunger führen“ – versichert Castro in seiner neuesten  apokalyptischen These. Nach seiner Auffassung werden die armen Länder die Hauptbetroffenen dieser Fehlentscheidung sein, die den Schritt wagen, einen Teil ihrer landwirtschaftlichen Produktion auf die Brennstoffherstellung umzustellen. Diese Behauptung Castros entbehrt jedoch jeder Logik. Denn wie bekannt, ist es der Mangel an Arbeit in gewinnträchtigen Bereichen der armen Volkswirtschaften und nicht die Ethanolproduktion, die Ursache der Engpässe in der Versorgung der Bevölkerung mit ausreichenden Lebensmitteln.

Die Wirtschaften der armen Länder sollten sich in einem größeren flexibleren Maße an die Nachfrage des Weltmarktes anpassen. Dem entsprechend würde ihre nationale Produktion profitabler und die Lebensbedingungen der jeweiligen Bevölkerung würden sich verbessern. Man bleibt arm, wenn sich niemand für seine  Produkte und Dienstleistungen interessiert. In diesen Ländern hungern die Menschen, weil das nötige Geld fehlt, um die fehlenden Lebensmittel kaufen zu können. Der Mangel an Lebensmitteln ist ein Ergebnis und nicht die Ursache des Problems. Bei vollen Kassen findet sich immer Jemand der bereit ist,  den Lebensmittelbedarf zu decken.
Wichtig wäre daher - den armen Ländern bessere Chancen bei der internationalen Arbeitseinteilung zu verschaffen, um ihnen bessere Verdienstmöglichkeiten in der globalisierten Welt zu ermöglichen. Dadurch würden diese Länder angeregt, verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, um die gewinnbringenden volkswirtschaftlichen Bereiche besonders zu fördern.

Die Behauptung Castros – oder wer unter seinen Namen die Nutzung des Zuckerrohrs für die Ethanolherstellung auch immer brandmarkte - spiegelt das ideologische Grundkonzept der kubanischen Machthaber wieder. Nicht die Theorie von  „Angebot und Nachfrage“ bestimmen gemäß der die kapriziöse Interpretation des kubanischen Marxismus das Gleichgewicht eines Marktes, sondern  die Vorstellung: „Entweder man produziert Lebensmittel für die Menschen oder Brennstoff. Beides gleichzeitig geht nicht“. Durch die Nutzung von Mais oder Zuckerrohr für die Ethanolherstellung kann es tatsächlich zu einer vorübergehenden Verteuerung der Lebensmittel kommen.  Jedoch auf der anderen Seite – das ist der fortschrittliche Aspekt - werden neue bislang ungenutzte Möglichkeiten des Mais- und  Zuckerrohanbaus und -nutzung entstehen.
Es kann so zu einer boomenden Wirtschaftsentwicklung kommen, aus der alle profitieren: Die Industrienationen und die armen Länder. Ganz sicherlich werden auch neue Produktionsstätten und somit Arbeitsplätze entstehen. Zum Schluss werden sich die Märkte beruhigen und  die Preise für Mais und Zucker werden fallen. 

Die technischen Neuerungen –  wie in unserem Falle der Nutzung des Ethanols als Brennstoff – haben immer auch einem neuen Schub zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen gebracht.
Die Marktgesetzte sind schon immer für Fidel Castro ein Hindernis in seiner Megalomanie gewesen. Er beachtete sie nicht,  als er versuchte den Sumpft „Zapata“ auszutrocknen (eine Ökologische Sünde!) oder als er ganze landwirtschaftliche Gebiete Kubas für den staatlich kontrollierten Weinanbau umfunktionierte. (damals sollte Kuba mit Spanien und Italien in der Weinproduktion konkurrieren!). Aber die Markgesetzte sind eine Realität - unabhängig vom Willen Castros und seiner neuen apokalyptischen Visionen.
Der beste Beweis seiner irreführenden Logik ist Brasilien selbst.
Nach dem Castro- Prinzip „entweder Äthanol oder Zucker“ sollte Brasilien jetzt weniger Zucker produzieren als vorher. Aber das Gegenteil ist der Fall. 
Im Jahre 2006 produzierte Brasilien 17.500 Millionen Liter Äthanol auf Zuckerohrbasis und 26 Millionen Tonen Zucker. Doch anstatt laut Castro weniger zu produzieren, ist das Ziel der brasilianischen Wirtschaft für 2007:  20.000 Millionen Liter Äthanol aus Zuckerrohrbasis und 30 Millionen Tonen Zucker zu produzieren. Seit 35 Jahren verzeichnet die brasilianische Zuckerproduktion ein ständiges Wachstum und das trotzt zusätzlicher Ethanolproduktion.

Brasilien beweist, es ist möglich mehr Brennstoffe und mehr Lebensmittel zur selben Zeit zu produzieren. Das widerlegt die neue apokalyptische These Castros, dass „eine größere Brennstoffproduktion weniger Lebensmittel auf der Welt bedeuten würde“. Seine Vorstellung: .. „die Nahrungsmittel werden knapp, wenn ein Teil der Nahrungsmittelproduktion für die Energiegewinnung eingesetzt wird“   bleibt eine fatalistische Prognose ohne Realitätsbezug.

Gegen alle schwarzen Zukunftsaussichten Castros öffnet die Ethanolproduktion auf Zuckerrohrbasis neue Perspektiven für die armen Länder Lateinamerikas, Asiens und Afrikas. Dort leiden die Menschen an Hunger, nicht weil sie Ethanol herstellen, sondern weil sie keine sicheren Einkommensquellen haben.

Wenn die Industrienationen tatsächlich Ethanol brauchen, was spricht dagegen, dass die armen Länder Ethanol produzieren? Warum soll Zucker auf dem Weltmarkt knapp werden? Brasilien hat bereits angeboten, denjenigen die sich dafür interessieren,  die entsprechende Technologie zu verkaufen.

Vielleicht steckt in dieser Debatte Castros die verdeckte Absicht, die brasilianische Bereitschaft der Nutzung des Äthanols aus Zuckerrohr zu verhindern.

Es gibt noch einen anderen Aspekt, der für eine verstärkte Nutzung des Ethanols als Brennstoff spricht:

Die noch vorhandenen nicht erneuerbaren Energiequellen werden immer knapper. Die Auseinandersetzung um ihre Kotrolle erzeugt im wachsenden Maße Konfrontation und Kriege in der Welt. Eine verstärkte Nutzung des Ethanols und weiterer erneuerbarer Energieträger würde dazu beitragen, internationale Spannungen abzubauen. Es würde eine geringere Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas geben. Spannungspotentiale können dadurch minimiert werden.

Mit seinen dunklen Zukunftsprognosen versucht Castro seine in Vergessenheit geratene Rolle als Weltvisionär auf zu polieren. Er gibt seine Versuche als  Prophet in die Geschichte einzugehen selbst im Krankenbett nicht auf. Vom eigenen Volk will er weiter als der unbeirrbare Führer  und als oberste Autorität der Insel anerkannt und respektiert werden. Die Armen dieser Welt brauchen jedoch Optionen, um aus der Armut und der Ignoranz herauszukommen. Castros eigenes Volk sehnt sich schon lange nach neuen Wegen zu einer demokratischen und besseren Zukunft. Aber auf der Suche nach gangbaren Alternativen für sein eigenes Land sind die Visionen Castros eher kontraproduktiv.

ENDE
 

 
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