|
Dankesbrief der Damen in Weiß an den Verein “Kuba-Demokratische Zukunft”
"ESTIMADO bORIS,NO SÉ COMO AGRADECERTE LO QUE HACES POR NUESTROS PRESOS Y POR NUESTRA SUFRIDA PATRIA. MUCHAS GRACIAS.
LAURA"
Übersetzung:
„Lieber Boris,
durch dieses Schreiben möchte ich unseren Dank Eurem Einsatz für unsere Gefangenen und für unser leidendes Vaterland aussprechen.
Noch mal vielen Dank
Laura Pollán“
Sprecherin
Damen in Weiß
DLF – Eine Welt – 24.3.2007
Der Schwarze Frühling – 4 Jahre danach
Von Peter B. Schumann
(Die Originalaufnahme finden Sie links unten bei den Audio
Dateien im MP3 Format)
...Damen in weiß nennen
sie sich und ziehen weiß gekleidet jeden Sonntag durch die Straßen von Havanna.
Es sind Frauen und Töchter jener 75 Männer, die vor vier Jahren in einer
Verfolgungswelle ohne gleichen verhaftet wurden...
Take 1 Atmo
Marsch (B 000)
Autor: Damen in weiß nennen
sie sich und ziehen weiß gekleidet jeden Sonntag durch die Straßen von Havanna.
Es sind Frauen und Töchter jener 75 Männer, die vor vier Jahren in einer
Verfolgungswelle ohne gleichen verhaftet wurden. Zwei Wochen später hatten sie
Schnellgerichte zu maßlosen Strafen zwischen 8 und 28 Jahren Gefängnis
verurteilt. Ihr Delikt in der offiziellen Version: „subversive
Aktivitäten gegen die Unabhängigkeit und territoriale Integrität Cubas zugunsten der USA“. Doch eigentlich
vertraten sie nur eine andere Meinung als das Regime. Ausblenden (35“)
Ihr Vorbild sind die argentinischen Mütter von Plaza de Mayo, die während
der Militärdiktatur und noch Jahre danach jeden Donnerstag für ihre verschwundenen,
meist ermordeten Familienangehörigen demonstrierten. Und ähnlich wie damals die
Madres finden sich die Damas en blanco heute regelmäßig zu
einem Fußmarsch zusammen, um diesen brutalen Schlag gegen die Opposition im
Bewusstsein der Cubaner wach zu halten.
Take 2 Statement
(A 021)
„Wir werden so lange
weitermarschieren“ – sagt eine von ihnen – „und für die Freiheit unserer
politischen Häftlinge kämpfen, bis sie wieder bei uns zu Hause sind. Wir werden
nicht ruhen, bis sie alle wieder frei sind. Freiheit für die politischen
Gefangenen!“ Aufblenden (20“)
Vier
Tage lang haben sie diese Woche demonstriert, die Damen in weiß, in Erinnerung an den Schwarzen Frühling vor vier Jahren. Sie haben in einer bisher
einzigartigen Manifestation zivilen Widerstands gebetet und gefastet. Danach
hat jede von ihnen eine Zeitlang in einer Zelle verbracht, die sie aus Solidarität
mit ihren Männern in einer Wohnung aufgebaut hatten. Auch trugen sie auf ihrer
weißen Kleidung diesmal graue Streifen: ein Verweis auf die Gitterstäbe, hinter
denen ihre Angehörigen leben müssen.
Take 3 Statement (A 070)
„Wir zogen durch die Infanta-Strasse,
Richtung La Rampa“ – schildert eine der Frauen den Fußmarsch vom letzten
Montag. „Die Menschen, die gerade ihre Arbeitsstätten verließen, begegneten uns
freundlich, ohne jede Aggression… Einige Leute beglückwünschten uns sogar.
Niemand sagte etwas Bösartiges zu uns. Manchmal haben wir ‚Freiheit für die
politischen Gefangen’ gerufen, denn Plakate dürfen wir nicht mit uns führen.“ Aufblenden (30“)
Von der Gruppe der 75 ursprünglich
Verhafteten sitzen noch immer 59 im Gefängnis. Lediglich 16 von ihnen wurden
aus gesundheitlichen Gründen, aber nur „bedingt“ – wie es heißt – freigelassen.
Einer ist inzwischen verstorben, nachdem er während der Haft dreimal operiert
werden musste. Nur 4 der Entlassenen durften ausreisen. Zu ihnen gehört der
Begründer der unabhängigen Presse in Cuba, der Poet Raúl Rivero. Er wurde zu 25
Jahren verurteilt und sofort in eine Strafzelle gesperrt, in der Gefangene aus
disziplinarischen Gründen höchstens 3 Wochen zubringen dürfen.
Take 4 Rivero (T
32)
„Eine Strafzelle“ – so hat er später berichtet
–„ist nicht größer als ein normales Badezimmer. Es gab eine Zinkplatte mit
einer Matratze als Bett, ein Loch im Boden als Toilette, ein Rohr, aus dem
Wasser floss, wenn sie es anstellten: 2 mal am Tag für 15 Minuten. Und das bei
der unerträglichen Hitze im cubanischen Sommer. Und dann unzählige Mücken, jede
Art von Insekten, Frösche, Ratten, kleine Schlangen und Grillen, die einen
nicht schlafen ließen – dort verbrachte ich ein ganzes Jahr.“ Aufblenden (35“)
Danach kam der Prominenteste der 75
Häftlinge in den ‚normalen Vollzug’: zu zwei Mördern in eine Zelle. Und ganz
ähnlich geht es jedem Cubaner, dessen friedlicher Widerstand von seiner
Regierung als Subversion eingestuft wird.
Take 4 Rivero (T
35)
„Die Haftbedingungen sind äußerst schwer
für die insgesamt 400 politischen Gefangenen. Die wirtschaftliche Situation
ihrer Familien ist furchtbar. Oft haben die Ehefrauen am Monatsende kein Geld mehr,
um das Essen zu bezahlen, dass ihre Männer in den Gefängnissen dringend benötigen.
Denn dort ist die Versorgung infam: ein Häftling erhält in Cuba das Letzte vom
Letzten, was sich für die Gefängniswärter nicht mehr zu stehlen lohnt.“ Aufblenden
(30“)
Deshalb sind die meisten Gefangenen krank, werden
medizinisch schlecht versorgt und oft erst im letzten Moment entlassen, wenn
Gefahr für ihr Leben droht. Die Solidarität ihrer Angehörigen ist für sie
essentiell wichtig: die Besuche, die sie oft nur alle zwei oder drei Monate
einmal erhalten dürfen, genauso wie die sonntäglichen Manifestationen ihrer
Frauen, Schwestern und Töchter: dieser Damen
in weiß. Ihr friedlicher Widerstand wurde 2005 vom Europäischen Parlament
mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte gewürdigt. Dennoch müssen sie in den
Straßen von Havanna mit Repression rechnen.
Take
5 Statement (041)
„Es war eine gewalttätige Meute des Castro-Regime,
die uns bedrohte, darunter viele Frauen. Sie schrien kommunistische Parolen,
beleidigten und bedrohten uns und rempelten einige von uns provozierend an. Ich
konnte an ihrem Verhalten deutlich erkennen, dass die Staatssicherheit diese
Gruppe von Leuten geschickt hatte.“ Aufblenden (25“)
Aber zu schlimmeren Angriffen – physischen Attacken
und stundenlangem Geschrei des organisierten Mob vor ihren Wohnungen – kam es hier
nicht. Das Regime befürchtet wohl, dass sich die Bevölkerung schützend vor die
friedlich demonstrierenden Frauen stellen könnte. Keine von ihnen hat Hoffnung,
dass ihren Angehörigen bald freigelassen werden. Viele dachten, dass sich nach
dem Rückzug Fidel Castros von der Macht einiges verändern würde. Aber die
Erwartungen wurden enttäuscht.
Take
6 Statement (A 315)
„Ich
glaube, das ist ein sehr gefährlicher Moment“ – sagt eine Sprecherin der
Frauen. „Sie scheinen eine Offensive gegen die Opposition vorzubereiten, um das
Volk einzuschüchtern wie vor vier Jahren, 2003. Doch die Cubaner sind sich der
Situation wohl bewusst und wollen, dass die Krise im Land endlich aufhört,
unter der sie sehr leiden.“ Aufblenden (20“)
Der Schlag gegen die 75 Journalisten,
Wissenschaftler, Bibliothekare und Menschenrechtsaktivisten vor vier Jahren –
die Massenverhaftungen und drakonischen Strafen – konnten die Opposition nicht beseitigen.
Ihr Widerstandsgeist ist gestärkt, viele haben die Angst vor Repressionen
verloren.
Take
7 Atmo Marsch wie T 1
Und deshalb werden die Damen in weiß auch am morgigen Sonntag zur Messe in der
Santa-Rita-Kirche von Miramar gehen und danach friedlich über die 5. Avenida des
Diplomaten-Viertels wandern – als ständige Mahnung an den Schwarzen Frühling 2003. Ausblenden
ENDE
|