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Im Dezember 2006 versuchte eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten
nach Kuba zu reisen. Die kubanischen Behörden stellten den deutschen
Parlamentariern jedoch keine Einreisevisa aus. Im Gegensatz zur Regierung unter
Raúl Castro wünscht die unabhängige Zivilgesellschaft Kubas den Dialog mit
Deutschland und Europa. Die Frauenbewegung „FLAMUR“ beauftragte ihre
Vertreterin im Ausland, Magdelivia Hidalgo, nach Deutschland zu reisen und mit
Vertretern verschiedener Parteien im Bundestag zu sprechen. „FLAMUR“ setzt - trotz verstärkter Repressalien die Aktion „Mit
der Gleichen Münze“ unter unvermindertem Enthusiasmus fort. Die Redaktion des
Kuba Magazin wollte noch mehr darüber wissen und sprach mit der Vertreterin von
„FLAMUR“ über die Lage in Kuba und den Stand der ihrer Reisevorbereitungen.
Autor: Boris Luis Santa Coloma
Kuba Magazin:
Magdelivia, in der unabhängigen Presse lasen wir mit
entsetzen, eine Nachricht über den Tod eines Mitgliede von „FLAMUR“. Diese Frau
wurde von ihrem eigenen Mann zu Tode geprügelt. Eines der Projekte von „FLAMUR“
beinhaltet - die Bekämpfung der Gewalt in der Ehe. Das stellt ein großes
Problem besonders in den östlichen Provinzen dar, in denen sich „FLAMUR“ hauptsächlich engagiert.
Magdelivia
Hidalgo:
Das
Opfer hieß Miriam Ramírez. Fünf Tage vor ihrem gewaltsamen Tod wurde sie
von ihrem Mann krankenhausreif geschlagen. Die Polizei unternahm nichts. Gerade
einer der wichtigsten Projekte von „FLAMUR“ dient der Unterstützung von Opfern
der Gewalt in der Ehe. Wir denken, die Verbindungen von Miriam Ramírez zu „FLAMUR“
waren das entscheidende Kriterium für die Untätigkeit der kubanischen
Sicherheitsorgane. Die Behörden hatten den Tod von Miriam zugelassen, ja
vielleicht sogar ihren Tod gewollt. Miriam Ramírez war sehr aktiv bei der
Unterschriftensammlung für die Aktion „Mit der Gleichen Münze“. Sie wird uns
immer in Erinnerung bleiben. Bei der späteren Sargaufbahrung im Bestattungsinstitut sowie auch bei der Beerdigung
gab es dann plötzlich eine sehr starke Polizeipräsenz. Die Behörden wollten angeblich
verhindern, dass sich die Trauerveranstaltung in eine politische Aktion verwandelt.
Kuba Magazin:
Welche Projekte laufen bereits unter der Leitung von „FLAMUR“?
Magdelivia Hidalgo:
Wir haben schon einige nützliche Initiativen auf kommunaler
Ebene in ländlichen Regionen ins Leben gerufen. Weiterhin versuchen wir
unabhängige Initiativen zu fördern, da die Regierung die privaten
Produktionsformen in der Landwirtschaft nicht unterstützt. Wir dagegen glauben,
durch eine gezielte Förderung der Eigeninitiative einen wesentlichen Beitrag
zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung zu leisten. Daher unterstützen
wir die Gründung von kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetrieben der
Tierproduktion (Geflügel, Bienen, Schweine, etc). Außerdem helfen wir
unverheirateten Frauen, vor allem Opfer von Gewaltakten. Wir gründen Werkstätten
mit diesen Frauen und bringen ihnen das Nähen bei. Außerdem veranstalten wir
Vortragsreihen über Gewalt in der Ehe, Umwelt sowie Menschenrechte. Weiterhin unterstützen wir
auch unverheiratete Mütter.
Kuba Magazin:
Wie läuft die Aktion „Mit der Gleichen Münze“`?
Magdelivia
Hidalgo:
Wir spüren ein wachsendes Interesse der Bevölkerung an dieser
Aktion. Die Leute verlangen zunehmend das Recht, mit dem eigenen verdienten Geld
in allen Läden bezahlen zu können. Niemand will - wie ein Mensch zweiter Klasse
im eigenen Land - behandelt werden. Seit 48 Jahren wird die einfache
Bevölkerung im eigenen Land diskriminiert. Innerhalb von 6 Monaten haben wir bereits
das Ziel erreicht und die 10 Tausend Unterschriften gesammelt. Das wurde
trotz des permanenten Drucks und der
offiziellen Schikanen der Behörden erreicht. Aber wir erlitten auch Rückschläge.
Wir wollten dem Parlament den Antrag mit den 10 Tausend Unterschriften
vorlegen, aber der Postbote – der unabhängige Bauer: Reinaldo Jiménez – wurde
von der politischen Polizei verhaftet. Ihm wurden die Papiere mit 3.500
Unterschriften abgenommen und beschlagnahmt. Das geschah auf einer Strecke der
Hauptstraße zwischen den Städten Las Tunas und Guaimaro, als Jiménez unterwegs
nach Havanna war. Für unsere Initiative bedeutete das einen herben Rückschlag.
„Mit der Gleichen Münze“ wird jedoch zunehmend von der
Bevölkerung unterstützt. Die Menschen bekommen ihre Gehälter und Löhne in der
einheimischen Währung. Die Einkommen der einfachen Bevölkerung sind niedrig –
ca. 9 € im Monat. Wenn man jedoch etwas kaufen will, benötigt man nicht selten
eine andere Währung. Dazu kommt noch die Diskriminierung. In Kuba herrscht eine
Tourismus- Apartheid. Die
Bevölkerung darf keine Hotels oder Restaurants besuchen. Diese sind nur
für die Ausländer offen. Die Menschen haben diese Situation schon lange satt. Ich
glaube, dass erklärt die positive Reaktion auf die Unterschriftenaktion von „FLAMUR“.
Die Bevölkerung will eine spürbare Verbesserung ihres Lebensniveaus. Die
Parolen und die Versprechen der Regierung zeigen keine Wirkung mehr.
Kuba Magazin:
Was versprichst Du Dir von Deinem Deutschlandbesuch?
Magdelivia Hidalgo:
Wir bereiten uns hoffnungsvoll auf unsere Gespräche in
Deutschland vor. Zunächst halte ich den Dialog für einen wichtigen Weg der
Verständigung. Sowohl „FLAMUR“ als auch die kubanische Zivilgesellschaft steht
für den Dialog. Daher mein starkes Interesse mit den deutschen Abgeordneten
über die Lage in Kuba zu sprechen. Wir brauchen jetzt die Unterstützung der
Weltöffentlichkeit. Gerade Deutschland kann uns durch die eigenen Erfahrungen
im Umgang mit dem Totalitarismus beratend zur Seite stehen. Es interessiert uns
sehr, unter welchen Bedingungen die Menschenrechtsbewegung der DDR ihre
Aktivitäten plante und durchführte. Wir hoffen, bei den Gesprächen ein offenes
Ohr für die Beratung und zur Unterstützung unserer Kommunalprojekte zu finden,
da wir uns weiterhin noch effektiver für die Entwicklung und den Wohlstand in
Kuba einsetzen wollen. Seit 48 Jahren sind uns Kubanern andere Alternativen,
als die von der offiziellen Politik vorgeschriebenen, verwehrt worden. Das muss sich ändern.
Kuba
Magazin:
Frau Hidalgo, Danke für dieses Interview.
Magdelivia Hidalgo:
Ich danke Ihnen auch.
ENDE
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