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Freitag, 30. Juli 2010
 

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  Beitrag von Peter Schumann im Deutschland Radio,

"Schwarzer Frühling in Havana

gesendet im März 2007

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Karikatur

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Politische Häftlinge in Kuba
Interviewe mit der Leiterin „ Unabhängiger Bibliotheken“ Drucken E-Mail
Mittwoch, 7. März 2007

Der unabhängige Journalist, Carlos Serpa Maceira, interviewte in Havanna die Vorsitzende der Bewegung “Unabhängiger Bibliotheken”, Gisela Delgado Sablón. Sowohl der Journalist als auch die Befragte sind Wortführer der Opposition in Kuba. Serpa Maceira arbeitet für die Presseagenturen „Agencia de Prensa Sindical Press“ und „Puente Informativo Cuba-Miami“. Die kubanische Regierung erkennt die Tätigkeit der unabhängigen Journalisten nicht an. In Kuba gibt es eine „Pressegleichschaltung“. Die Medien werden zensiert und dürfen nur den offiziellen Standpunkt wiedergeben. Frau Delgado ist die Ehefrau von Hector Palacios, der ebenfalls eine bedeutende  Persönlichkeit der kubanischen Menschenrechtsbewegung darstellt.

 

Maceira:

Wie läuft das Projekt der „Unabhängigen Bibliotheken“?

 

Sablón:

Wir haben Rückschläge erlitten. Viele unabhängige Bibliothekare wurden Opfer der Verhaftungswelle des so genannten „Schwarzen Frühlings“ im Jahre 2003. 16 von ihnen sitzen heute noch im Gefängnis. Zum damaligen Zeitpunkt hatten die Bibliotheken einen ziemlich großen Zulauf durch die Bevölkerung, so dass sie echte Begegnungsstätten waren. Die „Unabhängigen Bibliothekare“ – die man nicht verhaftete, wurden von den Behörden bedroht, dass sie ihre Tätigkeit einstellen sollten. Es kam zu Hausdurchsuchungen und viele Bücherbestände wurden konfisziert. In meiner Bibliothek wurden Tausend Bücher sowie der gesamte Bestand an Zeitungen und Zeitschriften beschlagnahmt. biblio1

Foto 1: 

Der unabhängige Journalist, Carlos Serpa Maceira, im Gespräch mit der Leiterin der Bewegung "Unabhängiger Bibliotheken", Gisela Delgado Sablón in Havanna

 

Maceira:

Wie läuft das Projekt der „Unabhängigen Bibliotheken“?

 

Sablón:

Wir haben Rückschläge erlitten. Viele unabhängige Bibliothekare wurden Opfer der Verhaftungswelle des so genannten „Schwarzen Frühlings“ im Jahre 2003. 16 von ihnen sitzen heute noch im Gefängnis. Zum damaligen Zeitpunkt hatten die Bibliotheken einen ziemlich großen Zulauf durch die Bevölkerung, so dass sie echte Begegnungsstätten waren. Die „Unabhängigen Bibliothekare“ – die man nicht verhaftete, wurden von den Behörden bedroht, dass sie ihre Tätigkeit einstellen sollten. Es kam zu Hausdurchsuchungen und viele Bücherbestände wurden konfisziert. In meiner Bibliothek wurden Tausend Bücher sowie der gesamte Bestand an Zeitungen und Zeitschriften beschlagnahmt. 

 

 

Maceira:

Haben die Behörden die Tausend Bücher einbehalten?

 

Sablón:

Ja. Unsere Bibliothek “Dulce María Loynaz” dient als Zentrale des gesamten Projektes. Wir liefern Bücher an die anderen „Unabhängigen Büchereien“. Im Jahre 2003 waren unsere Regale leer. Wie Du siehst, haben wir heute wieder Bücher. Das Vorgehen der kubanischen Regierung damals wurde scharf verurteilt und nicht nur in Kuba sondern vor allem im Ausland. Man muss bedenken -  in Kuba wurden damals Menschen verhaftet, dessen einziges Vergehen es war, ein Exemplar der Menschenrechtserklärung der UNO zu besitzen. Paragraph 19 dieser UNO-Konvention beinhaltet das Recht jeden Einzelnen Menschen  - Informationen zu erhalten und zu verbreiten. Nach 2003 bekamen wir eine große Unterstützung aus dem Ausland, vor allem aus Schweden, aber auch aus Spanien, Frankreich, Niederlande, Mexiko, Argentinien, Chile und den USA. Dank dieser Unterstützung verfügen wir wieder über Bücherbestände. Zur Zeit gibt es in ganz Kuba 135 “Unabhängige Bibliotheken”. Im Jahre 2005 machten wir einen Wettbewerb und verliehen den Preis „El Heraldo“ an die aktivsten Bibliothekare. In diesem Rahmen führten wir einen literarischen Wettbewerb durch. Die ausgezeichneten Werke in sechs literarischen Genres wurden dieses Jahr im Buch „Voces de Cambio“ (Stimmen der Wende) herausgegeben. Jetzt haben wir sogar Bibliotheken in ländlichen Regionen. Wir arbeiten für die ganze Bevölkerung. Wir machen keine Ausnahmen.

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Foto 2: 

Mitglieder der Bewegung "Unabhängige Bibliotheken" verlangen die bedingunslose Freilassung der inhaftierten Bibliothekaren. Die Praxis der Regierung: Freilassung nur bei Bereitschaft das Land zu verlassen. Die friedliche Opposition stellt sich entschieden dagegen.

 

Maceira:

Bei der diesjährigen Buchmesse in Havanna hielt der Schriftsteller, Cesar López, die Eröffnungsrede. Er erwähnte kubanische Schriftsteller aus dem Exil, deren Werke in Kuba verboten sind. Unter ihnen sind Guillermo Cabrera Infantes ,Heberto Padilla ,Reinaldo Arenas , Severo Sarduy , Gastón Baquero und  Jesús Díaz. Sie alle leben nicht mehr. Pikanterweise hat er ihre Namen in Anwesenheit von Raúl Castro erwähnt. Glauben Sie, wir stehen vor einem neuen Trend im Bereich der Kultur in Kuba?

 

 

Sablón:

Auf jeden Fall ist das etwas Neues, dass ein herausragender Intellektueller wie Cesar López die Gelegenheit wahrnimmt, vor hohen Vertretern der Regierung  Menschen zu erwähnen, die jahrelang verfolgt wurden und deren Werke in Kuba verboten sind. Man muss bedenken, diese Namen dürften nicht mal leise ausgesprochen werden. Daher glaube ich, es war eine sehr mutige Geste von Cesar López. Übrigens, ich glaube alles war spontan und so im Programm nicht vorgesehen.

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Foto 3:

Mitglieder der Bewegung "Unabhängiger Bibliotheken" lesen aus dem "Handbuch für unabhängigen Bibliothekaren" in Havanna.  

 

 

Maceira:

Sie sprachen über den Band “Stimmen der Wende“. Wie war die Reaktion ?

 

 

Sablón:

Sowohl für die Autoren als auch für die Leser von “Stimmen der Wende” war es eine gelungene Überraschung. Vor allem als wir erfuhren, dass „Stimmen der Wende“ im Ausland vorgestellt wurde. Alle die den Band gelesen haben sind der Meinung, die Qualität ist besser als bei „Ojos Abiertos“ (Offenen Augen), der erste Band welcher von der Bewegung der „Unabhängigen Bibliotheken“ herausgegeben wurde. Der kubanische Schriftsteller und Journalist, Carlos Alberto Montaner war auch dieser Meinung. Er und der Schriftsteller Angel Cuadras nahmen an der  Präsentation von „Stimmen der Wende“ teil. 

 

 

Maceira:

Welche Ziele verfolgen Sie?

 

 

Sablón:

Als wichtigstes Ziel haben wir uns vorgenommen, neue „Unabhängige Bibliotheken“ in Gebieten einzurichten, in denen es bislang noch keine gibt. Wir müssen Bücher an diese neuen Bibliotheken senden. Wir haben auch gute Erfahrungen mit Kinoabenden gemacht. Wir würden gerne diese Erfahrungen noch erweitern. Wir arbeiten Zurzeit daran, eine Broschüre für die Betreiber der „Unabhängigen Bibliotheken“ herauszugeben. Ziel dabei ist zu erfahren, was die Menschen vor Ort tatsächlich lesen wollen. Außerdem wollen wir noch genauer statistisch erfassen, wie viele Menschen die Bibliotheken tatsächlich besuchen. Wir dürfen voller Stolz sagen, dass wir dieses Jahr 240.600 Besucher hatten. Ich muss dazu anmerken, diese Zahl ist tatsächlich noch höher, da wir manchmal ein Buch – bei einer großen Nachfrage an einen „Interessentenkreis“  verleihen. Diese „Interessentenkreise“ bilden Leser in den Familien oder aus dem Umfeld desjenigen, der das Buch von uns geliehen bekommt. Wir können voller Stolz versichern, ein großer Teil unserer Bücher sind im Umlauf unter den Menschen in Kuba.

 

Maceira:

Zum Schluss eine Botschaft an das kubanische Volk, speziell an die „Unabhängigen Bibliothekare“, die sich Tag für Tag um die Abschaffung der „Bücherzensur“ auf Kuba bemühen, sowie für alle die ihr Projekt – sowohl in Kuba als auch im Ausland- unterstützen…

 

 

Sablón:

Wir wollen uns bei den Bibliothekaren bedanken. Die Leiterin des Projektes könnte niemals ohne ihre Mitwirkung ihre Aufgaben realisieren. Ich möchte mich auch bei allen bedanken, die an meiner Seite arbeiten.  Denn ich arbeite nicht allein. Sie sind sehr mutig und beweisen das täglich. Wir möchten uns auch bei der Weltgemeinschaft bedanken. Sie hat uns sehr unterstützt. Kuba leidet unter der „Informationsblockade“ der Regierung. Die Menschen haben nicht mal freien Internetzugang. Die Regierung schreibt den Menschen vor, was sie jeden Tag zu lesen haben. Ich glaube wir haben eine sehr schwierige Aufgabe weiterhin vor uns. Die Bewegung der „Unabhängigen Bibliotheken“ wird dem kubanischen Volk zur Seite stehen. Wir werden uns weiterhin für die Entwicklung der kubanischen Zivilgesellschaft einsetzen. Noch mal unser Dank an alle Menschen aus anderen Ländern, die unser Vorhaben unterstützen, damit das kubanische Volk freien Informationszugang bekommt. Zum Schluss wollen wir Euch sagen, unterstützt  uns die „Informationsblockade“ der kubanischen Regierung gegen ihre eigene Bevölkerung zu durchbrechen!

 

Maceira:

Gisela Delgado Sablón, vielen Dank für dieses Interview.

 

ENDE

 
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Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften wurde im Jahre 1949 gegründet. Mitglieder sind 241 Gewerkschaften aus 156 Ländern. Die ICFTU hat mehrmals auf die Lage in Kuba aufmerksam gemacht.  

 

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