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Der unabhängige
Journalist, Carlos Serpa Maceira, interviewte in Havanna die Vorsitzende der
Bewegung “Unabhängiger Bibliotheken”, Gisela Delgado Sablón. Sowohl der Journalist
als auch die Befragte sind Wortführer der Opposition in Kuba. Serpa Maceira arbeitet für die
Presseagenturen „Agencia de Prensa Sindical Press“ und „Puente Informativo
Cuba-Miami“. Die kubanische Regierung
erkennt die Tätigkeit der unabhängigen Journalisten nicht an. In Kuba gibt es
eine „Pressegleichschaltung“. Die Medien werden zensiert und dürfen nur den
offiziellen Standpunkt wiedergeben. Frau Delgado ist die Ehefrau von Hector
Palacios, der ebenfalls eine bedeutende Persönlichkeit der kubanischen
Menschenrechtsbewegung darstellt.
Maceira:
Wie
läuft das Projekt der „Unabhängigen Bibliotheken“?
Sablón:
Wir
haben Rückschläge erlitten. Viele
unabhängige Bibliothekare wurden Opfer der Verhaftungswelle des so genannten
„Schwarzen Frühlings“ im Jahre 2003. 16 von ihnen sitzen heute noch im
Gefängnis. Zum damaligen Zeitpunkt hatten die Bibliotheken einen ziemlich großen
Zulauf durch die Bevölkerung, so dass sie echte Begegnungsstätten waren. Die „Unabhängigen
Bibliothekare“ – die man nicht verhaftete, wurden von den Behörden bedroht,
dass sie ihre Tätigkeit einstellen sollten. Es kam zu Hausdurchsuchungen und
viele Bücherbestände wurden konfisziert. In meiner Bibliothek wurden Tausend
Bücher sowie der gesamte Bestand an Zeitungen und Zeitschriften
beschlagnahmt.
Foto 1:
Der unabhängige Journalist, Carlos Serpa Maceira, im Gespräch mit der Leiterin der Bewegung "Unabhängiger Bibliotheken", Gisela Delgado Sablón in Havanna
Maceira:
Wie
läuft das Projekt der „Unabhängigen Bibliotheken“?
Sablón:
Wir
haben Rückschläge erlitten. Viele
unabhängige Bibliothekare wurden Opfer der Verhaftungswelle des so genannten
„Schwarzen Frühlings“ im Jahre 2003. 16 von ihnen sitzen heute noch im
Gefängnis. Zum damaligen Zeitpunkt hatten die Bibliotheken einen ziemlich großen
Zulauf durch die Bevölkerung, so dass sie echte Begegnungsstätten waren. Die „Unabhängigen
Bibliothekare“ – die man nicht verhaftete, wurden von den Behörden bedroht,
dass sie ihre Tätigkeit einstellen sollten. Es kam zu Hausdurchsuchungen und
viele Bücherbestände wurden konfisziert. In meiner Bibliothek wurden Tausend
Bücher sowie der gesamte Bestand an Zeitungen und Zeitschriften
beschlagnahmt.
Maceira:
Haben die Behörden die Tausend
Bücher einbehalten?
Sablón:
Ja. Unsere Bibliothek
“Dulce María Loynaz” dient als Zentrale des gesamten Projektes. Wir liefern
Bücher an die anderen „Unabhängigen Büchereien“. Im Jahre 2003 waren unsere Regale leer. Wie Du siehst, haben wir heute wieder Bücher. Das
Vorgehen der kubanischen Regierung damals wurde scharf verurteilt und nicht nur
in Kuba sondern vor allem im Ausland. Man muss bedenken - in Kuba wurden damals Menschen verhaftet,
dessen einziges Vergehen es war, ein Exemplar der Menschenrechtserklärung der
UNO zu besitzen. Paragraph 19 dieser UNO-Konvention beinhaltet das Recht jeden
Einzelnen Menschen - Informationen zu
erhalten und zu verbreiten. Nach 2003 bekamen wir eine große Unterstützung aus
dem Ausland, vor allem aus Schweden, aber auch aus Spanien, Frankreich,
Niederlande, Mexiko, Argentinien, Chile und den USA. Dank dieser Unterstützung
verfügen wir wieder über Bücherbestände. Zur Zeit gibt es in ganz Kuba 135 “Unabhängige
Bibliotheken”. Im Jahre 2005 machten
wir einen Wettbewerb und verliehen den Preis „El Heraldo“ an die aktivsten
Bibliothekare. In diesem Rahmen führten wir einen literarischen Wettbewerb
durch. Die ausgezeichneten Werke in sechs literarischen Genres wurden dieses
Jahr im Buch „Voces de Cambio“ (Stimmen der Wende) herausgegeben. Jetzt haben
wir sogar Bibliotheken in ländlichen Regionen. Wir arbeiten für die ganze
Bevölkerung. Wir machen keine Ausnahmen.
Foto 2:
Mitglieder der Bewegung "Unabhängige Bibliotheken" verlangen die bedingunslose Freilassung der inhaftierten Bibliothekaren. Die Praxis der Regierung: Freilassung nur bei Bereitschaft das Land zu verlassen. Die friedliche Opposition stellt sich entschieden dagegen.
Maceira:
Bei der diesjährigen
Buchmesse in Havanna hielt der Schriftsteller, Cesar López, die Eröffnungsrede.
Er erwähnte kubanische Schriftsteller aus dem Exil, deren Werke in Kuba
verboten sind. Unter
ihnen sind Guillermo Cabrera Infantes ,Heberto Padilla
,Reinaldo Arenas , Severo Sarduy , Gastón Baquero und Jesús Díaz. Sie alle leben nicht mehr.
Pikanterweise hat er ihre Namen in Anwesenheit von Raúl Castro erwähnt. Glauben
Sie, wir stehen vor einem neuen Trend im Bereich der Kultur in Kuba?
Sablón:
Auf jeden Fall ist das etwas
Neues, dass ein herausragender Intellektueller wie Cesar López die Gelegenheit
wahrnimmt, vor hohen Vertretern der Regierung Menschen zu erwähnen, die jahrelang verfolgt
wurden und deren Werke in Kuba verboten sind. Man muss bedenken, diese Namen
dürften nicht mal leise ausgesprochen werden. Daher glaube ich, es war eine
sehr mutige Geste von Cesar López. Übrigens, ich glaube alles war spontan und so
im Programm nicht vorgesehen.
Foto 3:
Mitglieder der Bewegung "Unabhängiger Bibliotheken" lesen aus dem "Handbuch für unabhängigen Bibliothekaren" in Havanna.
Maceira:
Sie sprachen über den
Band “Stimmen der Wende“. Wie war die Reaktion ?
Sablón:
Sowohl für die Autoren
als auch für die Leser von “Stimmen der Wende” war es eine gelungene Überraschung.
Vor allem als wir erfuhren, dass „Stimmen der Wende“ im Ausland vorgestellt
wurde. Alle die den Band gelesen haben sind der Meinung, die Qualität ist
besser als bei „Ojos Abiertos“ (Offenen Augen), der erste Band welcher von der
Bewegung der „Unabhängigen Bibliotheken“ herausgegeben wurde. Der kubanische
Schriftsteller und Journalist, Carlos Alberto Montaner war auch dieser Meinung.
Er und der Schriftsteller Angel Cuadras nahmen an der Präsentation von „Stimmen der Wende“
teil.
Maceira:
Welche Ziele verfolgen
Sie?
Sablón:
Als wichtigstes Ziel haben
wir uns vorgenommen, neue „Unabhängige Bibliotheken“ in Gebieten einzurichten,
in denen es bislang noch keine gibt. Wir müssen Bücher an diese neuen
Bibliotheken senden. Wir haben auch gute Erfahrungen mit Kinoabenden gemacht.
Wir würden gerne diese Erfahrungen noch erweitern. Wir arbeiten Zurzeit daran,
eine Broschüre für die Betreiber der „Unabhängigen Bibliotheken“ herauszugeben.
Ziel dabei ist zu erfahren, was die Menschen vor Ort tatsächlich lesen wollen. Außerdem
wollen wir noch genauer statistisch erfassen, wie viele Menschen die
Bibliotheken tatsächlich besuchen. Wir dürfen voller Stolz sagen, dass wir
dieses Jahr 240.600 Besucher hatten. Ich muss dazu anmerken, diese Zahl ist tatsächlich
noch höher, da wir manchmal ein Buch – bei einer großen Nachfrage an einen „Interessentenkreis“
verleihen. Diese „Interessentenkreise“
bilden Leser in den Familien oder aus dem Umfeld desjenigen, der das Buch von
uns geliehen bekommt. Wir können voller Stolz versichern, ein großer Teil
unserer Bücher sind im Umlauf unter den Menschen in Kuba.
Maceira:
Zum Schluss eine
Botschaft an das kubanische Volk, speziell an die „Unabhängigen Bibliothekare“,
die sich Tag für Tag um die Abschaffung der „Bücherzensur“ auf Kuba bemühen,
sowie für alle die ihr Projekt – sowohl in Kuba als auch im Ausland-
unterstützen…
Sablón:
Wir wollen uns bei den
Bibliothekaren bedanken. Die Leiterin des Projektes könnte niemals ohne ihre
Mitwirkung ihre Aufgaben realisieren. Ich möchte mich auch bei allen bedanken,
die an meiner Seite arbeiten. Denn ich
arbeite nicht allein. Sie sind sehr mutig und beweisen das täglich. Wir möchten
uns auch bei der Weltgemeinschaft bedanken. Sie hat uns sehr unterstützt. Kuba
leidet unter der „Informationsblockade“ der Regierung. Die Menschen haben nicht
mal freien Internetzugang. Die Regierung schreibt den Menschen vor, was sie
jeden Tag zu lesen haben. Ich glaube wir haben eine sehr schwierige Aufgabe weiterhin
vor uns. Die Bewegung der „Unabhängigen Bibliotheken“ wird dem kubanischen Volk
zur Seite stehen. Wir werden uns weiterhin für die Entwicklung der kubanischen
Zivilgesellschaft einsetzen. Noch mal unser Dank an alle Menschen aus anderen
Ländern, die unser Vorhaben unterstützen, damit das kubanische Volk freien
Informationszugang bekommt. Zum Schluss wollen wir Euch sagen, unterstützt uns die „Informationsblockade“ der kubanischen
Regierung gegen ihre eigene Bevölkerung zu durchbrechen!
Maceira:
Gisela Delgado Sablón,
vielen Dank für dieses Interview.
ENDE
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