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Am 03. Februar jährte sich zum 45. Mal der
Regierungsbeschluss 3447 von John F. Kennedy zur Einleitung der
Wirtschaftssanktionen gegen Kuba. Die Maßnahme trat am 07. Februar 1962 in
Kraft. Seither ist das Wirtschaftsembargo Hauptargument der kubanischen
Propaganda, um die katastrophalen Lebensverhältnisse der Inselbevölkerung zu
rechtfertigen.
Autor: Oscar Espinoza Chepe
Man kann schon heute voraussagen, dass es in
einigen Jahren für manchen Historiker ein wahres Rätsel sein wird, warum die
offizielle kubanische Presse über das
Embargo der USA ständig redete. Obwohl der Nachbar aus dem Norden den 6 –
wichtigsten Handelspartner Kubas und zugleich den bedeutendsten Nahrungsmittelexporteur
für die Insulaner darstellt. Laut offiziellen kubanischen Statistiken liegt das
Handelsvolumen mit den USA bei 500.000. Mio $ im Jahr. Die Amerikaner sind der Hauptlieferant
an Geflügelfleisch, Mais, Soja, Milchpulver sowie einer langen Liste wichtiger
Nahrungsmittel für die Bevölkerung. Die USA haben außerdem mehrmals ihre
Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, Arzneimittel nach Kuba zu exportieren.
Die wichtigste Einnahmequelle der maroden
kubanischen Wirtschaft sind die Geldüberweisungen der in der offiziellen Presse
verfemten Exilkubaner an ihre Angehörige auf der Insel. Nach einem Bericht der
UNO-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und der Karibik, CEPAL, sind es
rund 1 Milliarde Dollars
Die Telefonate mit den Erzfeind USA stellen
eine weitere Einnahmequelle für die kubanischen Staatskassen dar. Der kubanische
Staat nutzt dabei seine Monopolstellung aus und
erzielt durch überhöhte Telefontarife rund 100 Millionen US-Dollars
jährlich. Das Schicksal von getrennt lebenden Familien ist dabei uninteressant
und bleibt unberücksichtigt. Der Staat profitiert aus dieser Situation. Ein
Auslandsgespräch von Kuba in die USA kostet $ 2.45. Das ist ein Vielfaches der
Tarife, die die amerikanischen Telefongesellschaften verlangen.
Es handelt sich dabei offensichtlich um einen
Teil des Informationsembargos der kubanischen Regierung. Das wird aber kaum
erwähnt. In den Vordergrund tritt nur das Wirtschaftsembargo der USA.
Tatsächlich stellt diese Druckmaßnahme eine Verletzung des Völkerrechts dar.
Aber auf der anderen Seite wird sie auch dazu benutzt, völkerrechtswidrige
Verhältnisse auf Kuba zu rechtfertigen. Im
Namen des Embargos werden Kubaner verfolgt, die gegen die Verletzung der
Menschenrechte in ihrer Heimat klagen.
Die amerikanischen Gesetze gestatten ihren
Unternehmen nicht, kubanische Waren zu
kaufen. Das ist ein Fakt. Jedoch eine berechtigte Frage wäre, was Kuba in die
USA exportieren kann? Selbst Zucker – ein traditionelles Erzeugnis der
kubanischen Wirtschaft – muss jetzt importiert werden. Die Handelsbilanz der
kubanischen Wirtschaft liegt bei 1 zu 4. D.h. für jeden exportierten Dollar
führt Kuba 4 Dollars ein. Um in die USA exportieren zu können, müsste Kuba
Waren aus anderen Märkten in den amerikanischen Markt umleiten.
Die wahre Blockade kommt nicht etwa von Außerhalb,
sondern liegt in der kollektiven Produktionsweise, die die totalitären
Machthaber fast 50 Jahre lang den Menschen aufgezwungen haben. Das ist die
Hauptursache der kubanischen Krise. Wie bekannt, betroffen davon sind
Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, Demographie und Ökologie der Insel. Laut
offiziellen Statistiken erzeugte die Agrarproduktion letztes Jahr nur 3,3% des
BIP. Dabei handelt es sich um die Branche, die bis 1959 der Motor der
kubanischen Wirtschaft war. Ihr Anteil am gesamten Innlandsprodukt fällt
geringer aus als die des Bereichs Sport und Kultur (3,9%).
Die restriktive Wirtschaftspolitik der
Regierung führt zum gesamtvolkswirtschaftlichen Werteverfall der
Dienstleistungen und der Arbeitskraft. Der
Anteil des Kapitals am IBP war 25,6% im Jahre 1989. Aber im Jahre 2005 lag bei
nur 8,3% laut offiziellen Statistiken.
Aber nicht nur das Geld, sondern auch die
Fachkräfte gehen verloren. Viele gut qualifizierte Fachleute wandern aus - auf
der Suche nach besseren Lebensbedingungen für sich und ihre Angehörige - oder
sie suchen sich eine Beschäftigung im profitträchtigen Bereich Tourismus.
Förderungsschanzen und Weiterbildungsmöglichkeiten sind knapp. Die
Informationsblockade der kubanischen Regierung verhindert vielen Fachkräften
den Internetzugang. Ein Fachmann verdient in Kuba umgerechnet $ 20. Ein Liter
Speiseöl kostet $ 2.60. Die Gehälter reichen nicht aus, um die Familien zu
ernähren.
Durch die Normalisierung der Beziehungen zu
den USA – Kubas wichtigsten Handelspartner im XIX Jahrhundert - würde das Land profitieren. Investitionen,
neue Technologien und Touristen aus Amerika würden der kubanischen Wirtschaft
auf die Sprünge helfen.
Das Haupthindernis für eine fortschrittliche
Entwicklung in Kuba bleibt das Festhalten am jetzigen Wirtschaftsmodell, das
die volle Entfaltung der Produktivkräfte und der Kreativität verhindert. Das
ist die wahre Blockade. Solange diese Schranken nicht beseitigt werden, wird es
keinen Ausweg aus der Krise auf Kuba geben.
Havanna, 12. Februar. 2007
Oscar
Espinosa Chepe
Ökonom und unabhängiger Journalist
Der Autor gehört zu den wichtigsten Wortführer der kubanischen Opposition. Er saß im Gefängnis.
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