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Forsetzung:
DREI SOPHISMEN UND EINE VERDECKTE WAHRHEIT
Aber was
hält die herrschende Klasse zusammen?
Die offizielle Argumentation stützt sich auf
drei Sophismen. Sie werden immer wieder mit dem Ziel wiederholt, die Diktatur moralisch zu
legitimieren. Jedoch kein vernünftiger Mensch glaubt daran. Es handelt sich um
folgende Aussagen:
-
Die Streitkräfte und alle Anhänger des kubanischen Systems
setzen den Kampf fort, der im Krieg gegen Spanien begann. Nach der Unabhängigkeit
wurden diese Ideale von korrupten Politikern verraten.
-
Wenn die Revolutionäre „sich spalten“, dann werden die
USA und die annexionistischen Verräter aus Miami zurückkehren. Die Insel würde
in eine Kolonie der Yankees umgewandelt. Das bedeutet totaler Ausverkauf Kubas
an die kapitalistischen Interessen.
- Das Ende der Revolution würde bedeuten, das Ende der so
genannten „revolutionären Errungenschaften“, sprich: Bildung, Gesundheit und
eine gewisse Rassengleichstellung – so wie es heute in der kubanischen
Gesellschaft herrscht. Es würde weiterhin bedeuten, dass ein Haufen
geldgieriger und rachesüchtiger Exilkubaner in der kubanischen Gesellschaft
leichte Beute fände. Diese Neuankömmlinge würden alle Immobilien zurückfordern,
die nach dem Sieg der Revolution enteignet wurden. Alle Insulaner wären somit
Geiseln der Ausländer und der Exilkubaner.
An Hand dieser falschen Aussagen baut das kubanische
Regime eine Art Syllogismus auf, in dem Revolution, Vaterland, Nation und
kommunistische Partei ein und dieselben Sachen sind (am Anfang gehörte Fidel
Castro auch zu diesem Syllogismus, aber mit zunehmendem Alter des Maximo Liders
verzichtete man darauf). D.h. wenn die kommunistische Regierung – sprich: die
Revolution – aufhört zu existieren, verschwindet dann das Vaterland und die
Nation? Beide werden von hinterhältigen Feinden geschluckt, die das Volk versklaven
werden. Das Land würde in Verarmung versinken. Kuba wäre ein zweites Haiti.
Aber ist
etwas Wahres daran?
Es handelt sich dabei um erfundene Argumentationen der
jetzigen Machthaber, um ihre Machtansprüche zu rechtfertigen. Es ist ein Hohn
zu behaupten, die heutigen Revolutionäre wären die Nachfolger von José Martí
und den Kämpfern gegen die spanische Herrschaft. Die Lehre der heutigen
Revolutionäre ist der Marxismus Leninismus. Ihr Organisationsmodell ist der
sowjetische Staat. Diese Kubaner – es konnte nicht anders sein – waren Liberale
des XIX Jahrhundert – im Sinne der damaligen Vorstellungen. Sie wollten eine demokratische
Republik errichten. Nie war die Rede von Abschaffung der
Privateigentumsverhältnisse, wie bei den totalitären Versuchen 1917 in Rußland.
Zu Beginn des XXI. Jahrhunderts haben die
USA kein Interesse Kuba zu annektieren. Ihre Wunschvorstellung wäre ein
demokratisches und blühendes Kuba, damit die Kubaner keine Lust haben illegal ins
amerikanische Territorium einzuwandern. Für die USA ist Kuba wirtschaftlich irrelevant.
Für die US-Volkswirtschaft mit einem Bruttonationalprodukt von $ 13 Trillionen
US-Dollars hat ein heruntergewirtschaftetes Land wie Kuba kaum Bedeutung.
Dagegen ist davon auszugehen, dass die USA – und vor allem die Amerikaner kubanischer
Abstammung – sich nicht nur auf der Insel engagieren wollen, sondern auch
Europa und Japan dazu ermutigen. Ihr Ziel dabei wird die schnelle Verbesserung
der Lebensbedingungen auf Kuba sein, um eine Auswanderungswelle zu verhindern.
Laut Umfragen wollen die meisten Exilkubaner nicht nach
Kuba zurückkehren. Lediglich 10% sind dazu bereit – wenn günstige Bedingungen
auf Kuba eine Rückkehr gestatten - . Niemand wird die heutigen Bewohner aus ihren
Wohnungen vertreiben. In Kuba fällt die Bausubstanz zusammen – wie das sozialistische
System – und ist für niemand attraktiv. Die Exilkubaner wären bereit nach Kuba
als Touristen oder als Investoren zurückzukehren, wenn die rechtlichen
Grundlagen es gestatten Sie würden somit
Quelle für Entwicklung und Wohlstand für aller Kubaner werden. Das wäre das
Ende einer künstlich von der Regierung genährten feindseligen Politik gegenüber
den USA. Die Exilgemeinden in den USA würden Impulse zum Wiederaufbau der kubanischen
Wirtschaft geben. Somit würde die Diaspora die reichste Provinz Kubas werden.
Sie würden den größten Beitrag für den Wohlstand aller Kubaner leisten.
Aber wenn
das so ist, wie erklärt sich die Untätigkeit der kubanischen herrschenden
Klasse bei so rosigen Zukunftsaussichten?
Die herrschenden Kreise haben Angst davor, ihre Macht und
ihre Privilegien zu verlieren. Das Risiko ihre gesellschaftliche und
wirtschaftliche Stellung zu verlieren, macht die Nomenklatur zögerlich den
entscheidenden Schritt Richtung Reformen zu gehen. Die Entscheidungsträger haben eine logische
Angst, ein Reformprozess könnte ihre Familien benachteiligen. Die Ängste vor
der Unsicherheit bringen die herrschenden Gruppen zusammen. Die Furcht lässt keinen Platz
für vernünftige Entscheidungen.
DIE GRÜNDE, WESHALB EIN WECHSEL DIE EINZIGE ALTERNATIVE
BLEIBT
Wie sieht
es aus mit den ideologischen Überzeugungen?
Sie scheinen sehr schwach zu sein. Die Meinung der Kinder
und Familienangehörigen der führenden Schicht lässt keinen Zweifel: In ihren
Privatgesprächen verabscheuen ALLE Mitglieder der kubanischen Entscheidungsträger
das kubanische Modell und geben zu, das Land befindet sich in einer absoluten
Miesere. Der Zusammenbruch des Realexistierenden Sozialismus und den Richtungswechsel
des chinesischen Modells sowie die schlechten Erfahrungen der kubanischen
Kollektivierung in den letzten 50 Jahren haben die kubanischen Machthaber
überzeugt, dass in ihrem Land herrschende System ist nicht in der Lage Reichtum
oder Wohlstand zu erzeugen. Nicht mal ein blindes Huhn könnte die ineffektive
Produktionsweise des kommunistischen Wirtschaftsmodells übersehen.
Es ist immer so gewesen, egal auf welchem Kontinent und in welcher Kultur das Modell eingesetzt
wurde. Selbst wenn die politische Klasse es nicht begreift, ihre Kinder und
Enkelkinder werden sich daran erinnern, dass ihre Väter einen schwerwiegenden
Fehler machten, indem sie das System noch weiter am Leben erhielten. Denn die
meisten jungen Menschen wissen um die moralischen und materiellen Folgen für
die kubanische Gesellschaft, wenn der gescheiterte Versuch fortgesetzt wird.
Wieso dann
ihre starre Haltung zur Aufrechterhaltung eines Systems an dem sie nicht
glauben? Warum versuchen sie nicht das
System zu verändern?
Es gibt prinzipiell drei Gründe:
Erstens – der Kollektivismus war eine kapriziöse
Erfindung Fidel Castros. Niemand
hatte sich getraut, Castro zu widersprechen. Er regierte wie die Pharaonen Ägyptens.
Ein halbes Jahrhundert lang hat Castro seine Überzeugungen den Kubanern
aufgezwungen. Er regierte wie ein feudaler Monarch mit Untertannen. Es ist aber
nicht immer reibungslos verlaufen. Seit den 70er Jahren gab es immer wieder
Versuche, den kommunistischen Kurs zu reformieren oder seine Folgen für die
Bevölkerung zu minimieren. Aber leider wurden alle Menschen die sich für Reformen
einsetzten ausnahmslos von Castro ausgeschaltet.
Zweitens – die Privilegien und die Machtausübung sind eng
verwurzelt im Wesen der Kommunistischen Partei und des kubanischen Staates
sowjetischer Prägung. Das ist die Machtstruktur die Castro den Kubanern
aufgezwungen hat. Zwei bürokratische Strukturen – Partei und Verwaltung -
unterstützen und ergänzen sich gegenseitig. Im Klartext: Für die Partei
würde das Ende des jetzigen Systems bedeuten, dass sie nicht mehr den
Staatsapparat kontrollieren kann. Die Abschaffung des Kollektivismus würde Menschen
an die Macht bringen, die nicht die Interessen der kommunistischen Nomenklatur
vertreten. Davor hat ein Teil der jetzigen Machthaber Angst.
Drittens - die
Impulse für den Wechsel kommen: von Außen aus den USA und - in geringerem Masse
– aus der Europäischen Union sowie von Innen aus dem Druck der kubanischen
Demokraten heraus – sowohl von der Insel auch aus dem Ausland). Jedoch sind bislang
diese Impulse nicht kräftig genug um den Veränderungsprozess in Gang zu setzen.
Aber will
das kubanische Volk tatsächlich eine Wende?
Die Leute wünschen Veränderungen, haben aber keinen Weg
zur Verfügung ihren Willen zu äußern. Man darf nicht vergessen, Kuba ist ein
totalitärer Staat sowjetischer Prägung. Die Institutionen sind lediglich dazu
da, den Willen der herrschenden Klasse der Bevölkerung aufzuzwingen. Weder
Parlament noch Gewerkschaften oder Jugendorganisation dulden Meinungen, die von
den offiziellen Standpunkten abweichen. Meckerer innerhalb der Institutionen
werden sofort bestraft. Entweder mit der Isolierung oder mit dem Verlust aller
Ämter. Wenn der Abweichler seinen Protest in der Öffentlichkeit auszutragen
versucht, wird er Opfer von Pogromen – auch bekannt als „actos de repudio“ –
oder er wird einfach ins Gefängnis gesperrt. Der von der Propaganda des Regimes
hoch gepriesene demokratische Zentralismus der Kommunistischen Partei ist nur
leeres Gerede. Die angebliche Teilnahme des Volkes an den Entscheidungen ist
weiter nichts als ein leeres Ritual, bei den Menschen den Willen der
herrechenden Gruppen und vor allem der obersten Figur durchzusetzen.
Wenn weder
das Volk, noch die USA und die Europäische Union, sowie die Opposition in Kuba
und im Ausland nicht in der Lage sind den Reformprotzes einzuleiten, wie und
aus welchem Grund wird es in Kuba einen Wechsel geben?
Es gibt mehrere Gründe. Zunächst weil die kubanische
Gesellschaft jahrhunderte lang immer anstrebte, wie eine moderne Gesellschaft
zu leben. Der Kommunismus hat diesen Drang nicht ausgelöscht. Es wäre sinnlos
anzunehmen, dass die Kubaner für alle Ewigkeit ein Gesellschaftsmodell
aufrechterhalten werden, das überall wegen seiner Unwirtschaftlichkeit
abgeschafft wurde. Heute erscheint eine Wende in Kuba ein schwieriges Unterfangen.
Jedoch das Gegenteil ist der Fall. Es grenzt an ein Wunder, dass in Kuba der
Reformprozess noch nicht begonnen hat. Dabei darf man nicht vergessen, die
Geschichte lehrt uns, die Nationen bewegen sich in eine Richtung und dabei
befolgen sie Strömungen. In der heutigen Zeit setzen sich die Demokratie und
die wirtschaftlichen Freiheiten überall durch. Kuba wird bestimmt nicht die
Ausnahme dieses Trends werden.
Den Kuba-Beobachter fallen sofort zwei psychologische
Faktoren auf die bei jeder Wende auftreten. 1. Faktor: Die tiefe Enttäuschung
der Bevölkerung vom System – sprich: der
kubanischen Revolution. 2. Faktor: Die
Führung Kubas wird nicht mehr als Träger einer fortschrittlichen Bewegung mit
historischer Tragweite – so wie früher angesehen, sondern als Vertreter einer
ungeschickten und grausamen Gesellschaftsordnung, deren - Unfähigkeit die
Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern - längst bekannt ist. Für die Nomenklatur ist es
bestimmt kein leichter Job. Die gesellschaftliche Ablehnung und die Kritik in
der eigenen Familie machen ihre Arbeit nicht gerade erstrebenswert.
Unter den Kubanern der führenden Schicht muss es viele
geben, die sich eine Verbesserung der Lebensbedingungen für alle Kubaner
wünschen. Diese Leute haben es schon satt, sich für etwas einzusetzen, woran
sie nicht glauben oder als eine falsche Politik ansehen, die sie nicht tragen
wollen. Innerhalb der Nomenklatur der kommunistischen Länder Ost-Europas gab es
reformwillige Kräfte, die bereit waren, sich für einen Wechsel einzusetzen.
Warum soll es in Kuba anders sein? Das Argument - der Kommunismus in Kuba ist
eine Reaktion auf eine angebliche Bedrohung der USA - ist nur ein Versuch, die
Verhältnisse in Kuba zu rechtfertigen. Es ist gegenstandlos.
Die Abwicklung der Franco Diktatur in Spanien im Jahre
1975 und der Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa haben
den Kubanern – sowohl den Machthabern als auch den Oppositionellen - bewiesen, eine gewaltlose politische Wende
ist möglich. Alle – auch die herrschende Schicht – würden vom Wechsel
profitieren.
Gewaltanwendung und die Erniedrigung der Verlierer sind
nicht erforderlich für einen politischen Wechsel. Als Grundlage für die
Einführung eines Mehrparteiensystems und für mehr individuelle
Eigenverantwortung bleibt der Dialog unter Beteiligung aller Kräfte im Lande.
An Hand der Spieltheorie ist bewiesen: Die Entscheidungen trifft man – unter
normalen Umständen - zugunsten der
Szenarien, die von den Teilnehmern als die überzeugenden betrachtet werden.
DIE BOLIVARIANISCHE ALTERNATIVE
Jedoch die
kubanische Regierung – oder zumindest ein Teil davon – scheint nicht zu
glauben, dass der Wechsel zur Demokratie und zur Markwirtschaft unumgänglich
sind. Fidel Castro hat Hugo Chavez als Träger seines geistigen Vermächtnisses
emporgehoben. Der venezolanischer Präsident
strebt eine “bolivarianische Revolution und ein Sozialismus des XXI
Jahrhunderts” an.
Das ist leider richtig. Die Alternative Fidel Castros zur
Wende ist die „bolivarianische Revolution und der Sozialismus des XXI
Jahrhunderts“. Was steckt dahinter? Der Grundgedanke ist, zuerst die politische
Kontrolle der lateinamerikanischen Länder zu erlangen, um sie dann gegen die
USA und die Industrienationen auszuspielen. Dieser abenteuerliche Kurs sieht
eine Form der Kollektivierung in den betroffenen Ländern vor. Der kubanische
Außenminister, Felipe Pérez Roque, erklärte die Ziele dieser Politik während
einer Rede in Caracas im Jahre 2005. Nach seiner Auffassung stehen Havanna und Caracas
an der Spitze der Weltrevolution. Somit übernehmen sie die Rolle der ehemaligen
UdSSR und Osteuropas. Wenige Tage davor versicherte der stellvertretende
Vorsitzende des kubanischen Staatsrates, Carlos Lage, sein Land hätte zwei
Präsidenten: Fidel Castro und Hugo Chávez. Jedoch mir scheint ziemlich
unwahrscheinlich, dass Raúl Castro sich ernsthaft dafür einsetzt.
Warum
sollte Raúl diese ihn von seinem Bruder übertragene Aufgabe ablehnen?
Weil das kubanische Volk und vor allem die politische Klasse
ganz genau wissen, die letzten 40 Jahre sind nutzlos “beim Aufbau der
Revolution” vergangen. Die Reden über die unerreichbaren Utopien haben die
Menschen in Kuba vernünftig gemacht. Die Suche nach dem „Neuen Menschen“
brachte nur eine Gesellschaft, die von Heuchlerei und doppelter Moral regiert
wird. Die vielen kubanischen Leichen auf den afrikanischen Friedhöfen haben
nichts genutzt. Die Guerillas in Lateinamerika und alle Anstrengungen die
Revolution zu exportieren brachten nur Armut für die Menschen auf Kuba. Die
offizielle Geschichtsschreibung verfälscht den Krieg in Angola und Namibia. Das
militärische Abendteuer in Somalia wird überhaupt nicht erwähnt. Die Menschen
sollen niemals wissen, dass alle Anstrengungen des kubanischen Volkes umsonst
waren. Der wahre Grund für das vergossene Blut in diesen afrikanischen Ländern
ist die Wahnsinnsvorstellung Castros ein „Napoleon des XX. Jahrhunderts“ zu
werden und – egal zu welchem Preis - in die Weltgeschichte einzugehen. Seine kapriziösen und alleinigen
Machtbefugnisse haben der kubanischen Wirtschaft irreparable Schäden – vor
allem in der traditionellen Zuckerindustrie-
verursacht. Wer wird in Kuba seine Stimme erheben und sich für eine
Wiederholung des gescheiterten Experiments – diesmal unter der Führung von Hugo
Chávez - einzusetzen. Raúl hat die
Kinderkrankheiten der Revolution hinter sich. Trotz seiner undemokratischen
Gesinnung, trägt er sich eher mit der zynischen Vorstellung einer
Marktwirtschaft wie in China oder Vietnam. Die feindselige Politik von Hugo
Chávez gegenüber den USA und den Industrienationen haben die Kubaner schon
längst erkannt. Anscheinend ist Fidel Castro mit der Einzige, der in Kuba an
den „revolutionären Internationalismus“ glaubt.
Welche Unterschiede
und welche Ähnlichkeiten bestehen in den Grundsätzen des klassischen Sozialismus
– wie man ihn in der ehemaligen Sowjetunion verstanden hatte- und dem „bolivarianischen
Sozialismus“ von Hugo Chavez und Fidel Castro?
Der wichtigste Unterschied liegt in der Frage des Weges
zur Macht. Die „bolivarianischen“ Sozialisten verzichten auf den Klassenkampf, die
Arbeiterproteste und den Generalstreik als Mittel. Übrigens nirgendwo auf der
Welt sind Kommunisten dadurch an die Macht gekommen. Diese neuen Sozialisten
lehnen die Rolle der Bauer ab, wie in den maoistischen Doktrinen – und auch zum
Teil bei den Argumentationen Fidel Castros. Hugo Chávez und seine Anhänger
befürworten die demokratischen Wahlen als Weg, um an die Macht zu gelangen. Als
nächsten Schritt streben sie eine Verfassungsänderung an. Danach soll die
Exekutive die absolute Kontrolle über das Land erhalten. Die Unterstützung der
ärmeren Schichten wird durch populistische Maßnahmen – mit einer begrenzten
Wirkung – gewährleistet. In einer dritten Stufe beginnt man den Abbau des
Rechtsstaates und der Marktwirtschaft sowie deren Ablösung durch eine Diktatur.
Und das internationale
Umfeld, welche Internationale Politik wird verfolgt?
Im Jahre 1917 waren Lenin und Trotski davon überzeugt, dass
der Sozialismus nur als Teil eines “antimperialistischen Netzwerkes”
überlebensfähig ist. Fidel
Castro wusste das und Hugo Chávez auch. Er ist überzeugt, sein “Sozialismus des
XXI. Jahrhunderts”
braucht einen Zusammenschluss von Staaten, die sich gegen den “Imperialismus”
stellen, allen voran den “US-Imperialismus”. Obwohl die Methoden der Anhänger
Chávez sich von den der sowjetischen Methoden unterscheiden, ihre Ziele sind
die Gleichen geblieben: Den Kapitalismus in den Industrienationen zu zerstören
und ihn durch eine egalitäre und solidarische Gesellschaft zu ersetzen. In
dieser philanthropischen Gesellschaft wäre das Geld überflüssig. Für den
egoistischen Individualismus würde es keinen Platz geben. Aber alle wissen
Castro und sein Ziehsohn Chávez sind in Wirklichkeit zwei Utopisten mit Pistolen
bewaffnet.
Kann es sein,
dass in Lateinamerika eine bolivarianische Axe entsteht? Das wäre die Rettung
für das kollektivistische Modell Kubas.
Es ist sehr unwahrscheinlich. Bisher sind es nur eine
Handvoll sehr arme Länder, die dahin marschieren, ein venezolanisches
Protektorat zu werden. Ich denke an Bolivien und vielleicht auch Nicaragua unter
Daniel Ortega. Der neue ecuadorianische Präsident, Rafael Correa, hat sich
bislang noch nicht positioniert. Ich kann dazu nur sagen, eine Front aus einem
so großen und reichen Land wie die UdSSR, zusammen mir der DDR, CSSR, Ungarn
und Polen brach in sich zusammen wegen der Unwirtschaftlichkeit und der
Mittelmäßigkeit. Was kann man erwarten von einer revolutionären Front aus
Venezuela, Bolivien, Kuba, Nicaragua und eventuell Ecuador? Die
Wahrscheinlichkeit dass dieser erneuten Versucht erfolgreich endet, liegt bei 1
zu Tausend.
Aber man
darf die sehr wichtige Rolle Venezuelas als Öl- und Finanzlieferant nicht
unterschätzen.
Sehr richtig. Caracas liefert Havanna täglich 8 Millionen
Ölbarrels (in der offiziellen Presse wird dies getarnt). Dank der
venezolanischen Finanzierung kann sich Kuba heute mehr leisten. Aber in den
obersten Machtetagen in Havanna weiß man, im gleichen Boot mit Chávez und
seinen wahnsinnigen Weltherrschaftsvorstellungen zu sitzen, ist viel zu
riskant. Niemand
der kubanischen Nomenklatur respektiert den venezolanischen Staatschef. Viele nennen ihn sogar
„den Wahnsinnigen“ und machen sich lustig über ihn. Der chaotische
Regierungsstil der venezolanischen Machthaber schafft Unmut innerhalb der
Zivilgesellschaft. Chávez regiert nur mit der Unterstützung der Hälfte der Bevölkerung.
Das spricht gegen die Vorstellung Caracas als Hauptstadt der revolutionären
Welt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass venezolanische Experiment wird ein
tragisches Ende nehmen. Eine plötzliche Unterbrechung der Wirtschaftshilfe
Venezuelas würde für Kuba fatale Folgen haben. Das wäre eine Rückkehr zur
Situation Anfang der 90er Jahre nach dem
Ende der Wirtschaftshilfen aus dem osteuropäischen Ostblocks. Es wäre
verantwortungslos die Zukunft Kubas an das Schicksal des venezolanischen
Experiments zu binden.
ENDE DES TEIL II
Die nächste Folge: Das Chinesische Modell
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