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Seit Fidel Castro die Regierungsgeschäfte abgegeben hat,
gibt es kaum Informationen aus Kuba. Journalisten werden ausgewiesen. Doch auf
der Karibikinsel brodelt es. Der "Windrose" ist es nun gelungen,
einen Reporter nach Kuba zu schicken.
Manuskript des Beitrages der MDR-Sendung Windrose vom 04.02.2007
von Stephan Kloss
Exotische Rhythmen und schöne Frauen. Im
weltberühmten "Tropicana" zeigt Kuba seine beste Seite. Die
berauschende Glitzer- und Gesangsshow lockt jedes Jahr tausende Touristen an.
Doch die Karibik-Insel schillert längst nicht mehr so bunt, wie in heißen
Tropicana-Nächten.
Dem Verfall ausgeliefert
Havanna am Morgen - eine Stadt voller Tristesse. Unterwegs in der
Pferdekutsche durch die Altstadt. Nach 48 Jahren Kommunismus und Misswirtschaft
droht Kubas Hauptstadt der Verfall. Nur wenige der einst prächtigen
Kolonialgebäude sind restauriert. Miguel und José verdienen sich mit
Kutschfahrten ein paar Pesos. Wie so viele Kubaner sind auch die beiden
frustriert. Wir interviewen mit versteckter Kamera, denn das Castro-Regime
bestraft offene kritische Meinungen fast immer mit Gefängnis. Erst zögerlich,
dann aber doch konkret antwortet Miguel:
O-Ton: Miguel
"Es muss sich hier vieles ändern. Wir brauchen einen großen,
offenen Markt. Mehr Wohlstand. Mehr Arbeit. Wir brauchen Veränderungen."
Reporter: "Was muss sich politisch ändern?"
"Wir brauchen endlich verschiedene Parteien in Kuba und freie Wahlen.
Jetzt gibt es ja nur die kommunistische Partei. Wir brauchen ein
Mehrparteien-System. Und nicht nur diese eine."
Was Touristen oft verborgen bleibt: Kuba ist ein Überwachungsstaat. An jeder
Straßenecke Sicherheitspolizei. Ständig müssen Kubaner mit Kontrollen und
Schikanen rechnen. Wer mit Ausländern spricht, macht sich automatisch der
Spionage verdächtig. Weil auf der Zuckerinsel der Staat alles kontrolliert,
sind Privatgeschäfte bis auf wenige Ausnahmen verboten. Viele Kubaner leben in
Armut. Bei rund 15 Euro liegen die meisten Einkommen - im Monat.
In einer Seitenstraße Havannas treffen wir uns heimlich mit Ramon. Wir filmen
trotz der Gefahr, von einem Informanten der kubanischen Staatssicherheit
entdeckt zu werden. Um zu überleben, versucht der Künstler seine Werke an
Touristen zu verkaufen, die er auf der Straße anspricht. Besonders beliebt:
Motive von Kuba und Frauen. Um Ramon vor der Polizei zu schützen, zeigen wir
sein Gesicht nicht. Als wir mit ihm durch Havannas Altstadt laufen, macht er
seinem Ärger Luft.
O-Ton: Ramon, Künstler
"Wir hoffen auf eine Zukunft ohne die da oben, ohne Castro. Der ist
doch 80, der ist Vergangenheit. Wir brauchen einen neuen Staatschef. Jemand der
viel jünger ist und wir brauchen endlich Veränderung. Die kubanische Revolution
ist doch tot. Viele Leute in Kuba haben nicht mal was zu essen. Doch die
Regierung zeigt das nicht im staatlichen Fernsehen. Die Lügen dort doch nur.
Das ist alles politischer Irrsinn. Hier gibt es keine Zukunft."
Plötzlich kommt ein Sicherheitspolizist auf uns zu und verlangt Ramons Ausweis.
Ganz offenbar wurden wir die ganze Zeit über beobachtet. Der Maler wird auf der
Stelle verhört. Ramons Vergehen: Er hat sich mit einem Ausländer unterhalten.
Ob der Künstler ins Gefängnis musste, ließ sich nicht mehr herausbekommen.
Obwohl schwerstkrank wacht Fidel Castro noch immer allgegenwärtig. Sein
kubanischer Kommunismus ist marode, Kuba nicht fit für die Zukunft. Von den
glorreichen Zeiten der Revolution berichten nur noch schwulstige
Propaganda-Plakate. Die Misere auf der Karibik-Insel wird durch ein
US-Handelsembargo zusätzlich verschlimmert. In Havannas Hafen legen deshalb
kaum noch Handelsschiffe an.
Touristen, die noch immer reichlich die Insel besuchen, sind der einzige
Rettungsanker für die Los Matadores in Havannas Altstadt. Nicht nur für sie.
Die fünf Vollblutmusiker sind zusammen fast 450 Jahre alt. Mit ihrer Klimperei
verdienen sie ein paar Pesos, denn die Renten hier sind mickrig. Ein direktes
Gespräch wegen der Polizei ist zu gefährlich. Maria aber, eine Freundin der
fünf, die beim Verkauf der selbstgebrannten CDs hilft, beklagt fehlende
Meinungsfreiheit.
O-Ton: Maria
"Wenn Du hier über die Regierung redest, wirst du doch weggesperrt.
Die stecken Dich für 30 Jahre in den Knast. Uns geht es seit Anfang der 90er
sehr schlecht. Wir haben Lebensmittelkarten und nicht einmal damit bekommt man
ausreichend zu essen. Das Leben ist wirklich hart, überall in Kuba. Und über
Kommandant Fidel Castro darf man gar nicht erst nicht reden."
Nach 48 Jahren haben die vielen Kubaner die Nase voll von Kommunismus. Sie
sehnen sich nach einer sozialen Wirtschaft, besseren Gehältern, nach Reise- und
Meinungsfreiheit. Nach einem neuen Kuba. Aber möglichst ohne Fidel Castro.
ENDE
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