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Vor einem Jahr beschloss die Europäische Union eine
Verlängerung der Aussetzung der Sanktionen gegen das kubanische Regime, wegen
der ständigen Verletzung der Menschenrechte auf der Insel. Auslöser war die
willkürliche Verurteilung von 75 Menschenrechtlern zu langen Haftstrafen.
Wortführer der Opposition haben sich zu dieser Entscheidung und zu anderen aktuellen
Situationen auf Kuba auf der Internetplattform „You-Tube“ geäußert.
Autor: Boris Luis Santa Coloma
Der Sacharow-Preisträger des Europäischen Parlaments,
Oswaldo Payá Sardiñas kommentierte die so genannten Sanktionen der UE – die
auch unter dem Namen „Cocktail Krieg“ bekannt wurden:
„Wir haben nie Sanktionen verlangt. Außerdem kann man es nicht
als Sanktionen bezeichnen, wenn eine ausländische Vertretung von ihrem Recht
Gebrauch macht, Menschen aus dem Gastland zu Empfängen einzuladen".
Der kubanische Dissident äusserte sich besorgt:
"Es ist unverständlich, wie man eine solche weltweit bekannte
Höflichkeitsgeste als Sanktion bezeichnen kann. Nach unserer Vorstellung machen
die europäischen Botschaften lediglich von der Tatsache gebraucht, auch die
Dissidenten als Teil der kubanischen Gesellschaft anzuerkennen. Das ist keine
Sanktion, sondern nur eine objektive Feststellung“.
Die Frage der politischen Gefangenen liegt der kubanischen
Opposition besonders am Herzen. Die Vertreterin der „Damen in Weiß “, Miriam Leyva, sprach über
die Gründe der Regierung, als im Frühjahr 2003 die 75 Oppositionellen zu langen
Haftstrafen verurteilt wurden. Sie erinnerte auch an die Reaktion der
Weltöffentlichkeit:
„Ich habe den Eindruck die Regierung hat niemals mit einer
solchen Reaktion der Weltöffentlichkeit gerechnet. Damals fingen die Menschen in
Kuba an, die Angst vor dem Regime zu verlieren. Wir wollen daran erinnern, dass
besonders die Bewegung der unabhängigen Bibliotheken einen großen Zulauf bekam. Das „Varela Projekt “ wurde ebenfalls mit
einer sehr großen Akzeptanz unter der Bevölkerung durchgeführt“.
Die Menschenrechtlerin berichtete weiter:
„Nach ihrer Verurteilung wurden die 75 politischen
Gefangenen in verschiedene Gefängnisse umverteilt. Dabei haben die Behörden -
als besondere Schikane für die Familienangehörigen der Gefangenen - auf eine
weite Entfernung vom Wohnsitz geachtet. Das bedeutete, die Gefangenen sollten
so weit wie möglich von ihrem Zuhause ihre Strafe absitzen. Diejenigen die aus dem
Westen waren, wurden nach dem Osten der Insel verlegt und umgekehrt. Das führte
zu zusätzlichen Erschwernissen für die Verurteilten und ihre Familien.
Weitere Wortführer der Opposition berichteten auch über die
Lage der politischen Gefangenen. Einer davon war Vladimiro Roca, Vorsitzende
der Sozialdemokratischen Partei Kubas und Sprecher der oppositionellen
Dachorganisation „Todos Unidos“. Roca kommentierte in „You-Tube“:

„Im vergangenen Jahr gab es keine einzige Entlassung von
politischen Gefangenen. Ihre Zahl erhöhte sich von 298 zu 333. Das bedeutet 35
politische Gefangene mehr als 2005. Das bringt die zunehmende Repression zum
Ausdruck “.
Die Kuba-Politik der Europäischen Union wird von der
kubanischen Opposition aufmerksam verfolgt. Dazu führte Roca weiter aus:
„Nachdem die Europäische Union ihre Haltung zu Kuba im Jahre
2005 änderte, wurden durch die kubanische Regierung als Reaktion darauf mehr als
400 junge Menschen inhaftiert“.
Für den Sozialdemokraten Roca, ist das eine reine Willkürhandlung:
„Nach Auffassung der Regierung stellten diese Menschen eine „Gefahr
für die Gesellschaft“ dar. Das ist eine totalitäre Justizauffassung, denn diese
jungen Menschen hatten nichts getan. Der wahre Grund war, dass diese
Jugendlichen wegen ihres selbstbewussten Auftretens auffielen. Sie erweckten
bei den Behörden den Verdacht, dass in einer brisanten Situation die Gefahr
bestehen könnte, dass sie eventuell die Menschenmengen mit anführen würden. Sie
wurden ins Gefängnis gesperrt, weil sie ihr Recht verteidigten, anders sein zu
wollen. Weil sie keine Mitläufer waren, wie es sich die Behörden von den Menschen
hier wünschen“ – stellte Roca fest.
Der Vorsitzende der kubanischen Menschenrechtskommission,
Elizardo Sánchez Santa Cruz, teilte seine Meinung über den gegenwärtigen Stand
der Repressionen auf Kuba mit:
„Beim Sieg der Revolution im Jahre 1959 gab es in ganz Kuba
nur 14 Gefängnisse. Davon ein einziges Hochsicherheitsgefängnis auf der Pinien
Insel (Insel der Jugend). Im Jahre 2004 waren es auf Kuba mehr als 200 Gefängnisse
und Arbeitslager über die ganze Insel verteilt. Nach inoffiziellen Schätzungen
sitzen Zurzeit zwischen 100 und 80 Tausend Kubaner in Haftanstalten. Wenn man die
Einwohnerzahl Kubas berücksichtigt, kann man sagen, dass die Inselrepublik das
Land mit der größten Gefangenenpopulation der Welt ist. Davon sind mehr als 300
Gefangene wegen politischer Vergehen inhaftiert“
Elizardo Sánchez stellt weiter fest:
„Zum Glück gibt es fast keine politischen Gefangenen in
Lateinamerika. 80 von den 300 politischen Gefangenen auf Kuba wurden von „Amnesty
International“ adoptiert. Das ist die höchste Zahl an politischen Gefangenen
aus einem Land, die von Amnesty adoptiert worden sind“.
Der Dissident Sánchez Santa Cruz ist der Meinung, nicht nur
Oppositionelle sind Opfer der offiziellen Druckmaßnahmen auf Kuba:
„Als Ausdruck der zunehmenden Repression muss man feststellen,
dass eine wachsende Verfolgung der ganzen Bevölkerung und vor allem der jungen
Menschen in Kuba stattfindet. Zurzeit sitzen in kubanischen Gefängnissen
Tausende von Jugendlichen, die keine Straftat begangen haben. Es handelt sich
dabei um „Vorsichtmaßnahmen“ – argumentieren die Behörden. Das kubanische
Strafgesetzbuch ermöglicht es, im Falle eines Verdachts ohne Gerichtverhandlung
Menschen einzusperren, um eventuellen Delikten vorzubeugen. Dazu reicht
lediglich die Aussage eines Polizisten. Viele Menschen, nicht nur Jugendliche
sondern auch Erwachsene wurden auf diese
Weise inhaftiert“
Über die Lage der in den Gefängnissen sitzenden
Oppositionellen informierte Elizardo weiter:
„Wegen des internationalen Drucks versucht die Regierung die
Zahl politischer Gefangener stabil zu halten. Deswegen greifen sie in die
Trickkiste, um die Andersdenkenden auf Kuba zu unterdrücken. Die Lieblingsmethode
gegen Freidenker ist die so genannte „actos de repudio“. Dabei handelt es sich
um Zusammenrottungen von Regierungsbeamten,
die sich vor den Wohnungen der friedlichen Dissidenten versammeln, Regierungsparolen
und Schimpfworte, manchmal sogar obszöne Sprüche gegen die Oppositionellen und
ihre Angehörigen schreien. Die Häuser der Dissidenten werden mit Steinen beworfen.
Es hat sogar Fälle gegeben, wo die Teilnehmer die Haustür aufgebrochen haben
und in das Haus eingedrungen sind. Das alles findet in Anwesenheit der Polizei
und ohne richterliche Genehmigung statt. Diese Gruppen sind verdeckte
Paramilitärs. Alle Kubaner wissen, sie unterstehen der Geheimpolizei der
Regierung“.
Die Vorsitzende der „Versammlung
zur Förderung der Zivilgesellschaft “, Martha Beatríz Roque, schilderte ihre
eigenen Erfahrungen aus den Gefängnissen des Regimes:
„Ich war die Einzige Frau unter den 75 Verurteilten im
Frühjahr 2003. Von den Gefangenen befinden sich 15 – ich zähle auch dazu - in „Gefängnisurlaub“. Obwohl die Regierung es
verneint, erlitt ich im Gefängnis einen Herzinfarkt. Ich musste mich am 23.
Juli 2003 einer Intensivtherapie unterziehen“.
Trotz des Wissens der Behörden um ihren labilen
gesundheitlichen Zustand bleibt Martha Beatriz Roque von den Verfolgungsmaßnahmen
des Regimes nicht verschont und berichtet weiter:
„Am 5 August 2005 wurde ich Opfer der Paramilitärs vor dem
Sitz der Europäischen Union in Havanna. Seither haben die Aktionen gegen mich
nicht aufgehört. Ich fühle mich von diesen reaktionären Gruppen ständig
belagert. Mein Wohnhaus wurde von den
Paramilitärs als Ziel definiert. Ich muss dazu sagen, die Teilnehmer dieser
Aktionen kommen von Außerhalb, denn meine Nachbar zeigen sich sehr solidarisch
mit mir und beteiligen sich nicht an diesen abscheulichen Aktionen“
ENDE
Quelle: Die Äußerungen der kubanischen Dissidenten im
Internetportal You-Tube
Link:
http://www.youtube.com/watch?v=dmenbpPtI50
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