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Die linke Bewegung
Lateinamerikas könnte eine zusätzliche Gefahr für die Reformen auf Kuba werden.
Die Bewegung ist gespalten und die radikale Strömung in ihren Reihen ist sehr
stark.
Autor: Boris Luis Santa Coloma
Vom 12. bis 14. Januar 2007
tagte in der Hauptstadt Salvadors das „Foro de Sao Paulo“ - die Konferenz der
lateinamerikanischen Linksparteien mit 596 anwesenden Delegierten. 219
Teilnehmer waren Vertreter von 58 Organisationen aus 33 Ländern. Diese
Konferenz fand zum 13. Mal statt.
Das „Foro de Sao Paulo“ wurde im Jahre 1990 während eines Treffens
der gesamten lateinamerikanischen Linksbewegung in der gleichnamigen
brasilianischen Stadt unter der Schirmherrschaft von Fidel Castro und Luis
Ignacio „Lula“ da Silva gegründet. Viele verschiedene radikale Parteien und
Gruppierungen fanden in dieser Organisation ihren Zusammenschluss.
Weiterhin zählten zu den Mitgliedern zahlreiche gemäßigte sozialdemokratische
Parteien Lateinamerikas, darunter die brasilianische Arbeiterpartei („Partido
dos Trabalhadores“) von da Silva - einem charismatischen
Gewerkschaftsfunktionär der später Präsident Brasiliens wurde.
Der erste Versuch die lateinamerikanische Linke zu einen
stammte aus dem Jahre 1965 mit der Gründung der „Organisación Lationamericana
de Solidaridad“ (OLAS) in Havanna. Damals wollte Kuba den Aufstand der gesamten
dritten Welt vorzieren. Castro propagierte den Marxismus als eine erlösende
Theorie für die Völker der „Dritten Welt“, erntete dafür die Zustimmung des
sozialistischen Ostblocks und kassierte als Gegenleistung riesige Subventionen
für seine marode kubanische Wirtschaft.
In den 90er Jahren änderte sich jedoch die Situation in Kuba
existentiell. Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion
wurde der „Hahn der sozialistischen Hilfen“ zugedreht. Die Attraktivität des „real
existierenden Sozialismus“ als Gesellschaftsordnung wurde in Frage gestellt
– oder zumindest die bis dahin vorherrschende Vorstellung über die Vorzüge
einer Planwirtschaft für einen zentralisierten Staat. Die lateinamerikanische
Linke musste sich in der neuen Weltsituation umorientieren. Die globalisierte
Welt und die zunehmende Armut in dieser Region stellten eine große
Herausforderung für die lateinamerikanische Linke dar. Die Ziele der Bewegung mussten
neu definiert werden. Die Konferenz von Sao Paulo im Jahre 1990 richtete ein ständiges
Koordinierungsbüro zur Schaffung einer Aktionseinheit der gesamten Linken ein.
Durch die Ernennung von Fidel Castro und da Silva als
Vorsitzende prägten die beiden Hauptströmungen schon seit der Geburtsstunde die
neu gegründete Bewegung. Es sollte Einigkeit demonstriert werden. Doch die
Wirklichkeit sah anders aus.
Im Gegensatz zu Lula da Silva und deren Reformvorstellungen zur
Verbesserung der Soziallage in der Region, wollte Fidel Castro das „Foro de Sao
Paulo“ als Sprungbrett zur Fortsetzung seines Revolutionsexports – diesmal
unter einem neuen demokratischen Mantel - nutzen. Dabei rechnete er mit der
Hilfe einiger Mitglieder des Forums mit einem eindeutig linksextremen Profil,
wie beispielsweise der „Ejercito Zapatista de Liberación Nacional“ (Mexiko),
die „Guerrilleros“ der FARC (Kolumbien) und die peruanische Revolutionäre
Bewegung „Tupac Amaru“ (MRTA).
Einer der ersten Aufgaben, die sich das „Foro von Sao Paulo“
stellte, war die Schaffung einer gemeinsamen neuen ideologischen Ausrichtung.
Der Marxismus war nach dem Zerfall des Ostblocks nicht mehr zeitgemäß, zumindest
der „reine Marxismus“ wie ihn die meisten Denker des linken Lagers bis dahin
propagiert hatten. Die Lateinamerikanische Linke brauchte eine Neuorientierung.
Castro setze sich mit seinem Vorschlag - den „Marxismus“ durch den „Indigenismus“
zu ersetzten - durch. D.h. die Linke sollte sich ab sofort nicht mehr vordergründig
für den Klassenkampf, sondern viel eher für die Verteidigung der Rechte der
Indianer einsetzen.
In Zusammenhang mit der neuen Orientierung der Bewegung
stellte das „Foro de Sao Paulo“ den Umweltschutz auch als einen seiner Ziele
dar. Die lateinamerikanischen Linksgruppen wollten Umweltschutzorganisationen
ansprechen und deren Ziele mittragen. Statt Arbeiterstreiks wurden fortan Aktionen
als Umweltschützer verlang. Die Ökologie sollte als Mittel genutzt werden, um
die Bevölkerung mobil zu machen. Die Menschen in Lateinamerika sollten auf die
Straße gehen, um gegen öffentliche Projekte wie: Straßen- und Schienennetzbau, wegen ihrer
angeblichen Umweltschädigungen zu protestieren. Damit wollte man die Sympathien
der Umweltschutzbewegung aus den USA und Europa gewinnen.
Trotz der Einigkeit in der ideologischen Ausrichtung blieben
jedoch die Unterschiede bezüglich der Methoden bestehen.
Die Kluft zwischen den radikalen Kräften(um Castro) und den
realistischen Reformern (um Lula) wurde im Jahre 1998, nach dem Sieg Hugo
Chávez bei den venezolanischen Präsidentschaftswahlen, noch größer. Chavez avancierte
schnell in der linken Bewegung zum bevorzugten Zauberlehrling der Thesen Fidel
Castros, bezüglich der Notwendigkeit der staatlichen Kontrolle der Wirtschaft und
einer Weltrevolution. Weniger mit seinem Verstand als mit seinem Geldbeutel ist
es ihn gelungen, anstelle von Fidel Castro zum Wortführer des
lateinamerikanischen Radikalismus zu werden.
Im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Meinung -
unterhalten Chávez und Lula da Silva keine „Liebesbeziehung“ sondern nur ein „harmonisches
Zusammenleben“ zum gegenseitigen Vorteil. Zu den Meinungsverschiedenheiten in
ihrer jeweiligen Einschätzung der Marktwirtschaft kommt noch die Rivalität
zwischen Venezuela und Brasilien bezüglich der Führungsrolle in Lateinamerika
hinzu. Brasilien sieht seine Vorreiterrolle im „Mercosur“ durch Venezuela gefährdet.
Die von Chávez propagierte „Bolivarische Alternative für Amerika“ (Alba) steht
im Widerspruch zu der von Lula durch den „Mercosur“ angestrebten Gründung eines
lateinamerikanischen Gemeinschaftsmarktes.
Das eventuelle Ableben Castros stellt jedoch kein Problem
für den „Foro de Sao Paulo“ dar. An und für sich ist schon die Nachfolge des
charismatischen kubanischen Revolutionsführers durch Hugo Chávez geregelt. Er
wird für die Fortführung des geistigen Erbes seines Ziehvaters sorgen. Für die
Verfechter der radikalen Linie – die Kuba als Modell darstellen – scheint viel
eher die Möglichkeit der Durchführung von Reformen auf Kuba problematisch zu werden.
Eine demokratische Wende auf Kuba würde ihrem angestrebten Modell komplett widersprechen.
Daher muss man mit einem sehr starken Druck gegen die
demokratischen Reformen und Kräfte auf Kuba durch die lateinamerikanischen Ultralinken
in nächster Zukunft rechnen.
Das zeigt eine Tendenz auf, die die kubanische Wende
gefährden kann und daher nicht aus dem Auge verloren werden sollte.
ENDE
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