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Freitag, 12. März 2010
 

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  Beitrag von Peter Schumann im Deutschland Radio,

"Schwarzer Frühling in Havana

gesendet im März 2007

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Karikatur

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Politische Häftlinge in Kuba
Das “Foro de Sao Paulo” und Kuba Drucken E-Mail
Dienstag, 23. Januar 2007

Die linke Bewegung Lateinamerikas könnte eine zusätzliche Gefahr für die Reformen auf Kuba werden. Die Bewegung ist gespalten und die radikale Strömung in ihren Reihen ist sehr stark.

Autor: Boris Luis Santa Coloma 

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Vom 12. bis 14. Januar 2007 tagte in der Hauptstadt Salvadors das „Foro de Sao Paulo“ - die Konferenz der lateinamerikanischen Linksparteien mit 596 anwesenden Delegierten. 219 Teilnehmer waren Vertreter von 58 Organisationen aus 33 Ländern. Diese Konferenz fand zum 13. Mal statt.

Das „Foro de Sao Paulo“ wurde im Jahre 1990 während eines Treffens der gesamten lateinamerikanischen Linksbewegung in der gleichnamigen brasilianischen Stadt unter der Schirmherrschaft von Fidel Castro und Luis Ignacio „Lula“ da Silva gegründet. Viele verschiedene radikale Parteien und Gruppierungen fanden in dieser Organisation ihren Zusammenschluss.

Weiterhin zählten zu den Mitgliedern zahlreiche gemäßigte sozialdemokratische Parteien Lateinamerikas, darunter die brasilianische Arbeiterpartei („Partido dos Trabalhadores“) von da Silva - einem charismatischen Gewerkschaftsfunktionär der später Präsident Brasiliens wurde.

Der erste Versuch die lateinamerikanische Linke zu einen stammte aus dem Jahre 1965 mit der Gründung der „Organisación Lationamericana de Solidaridad“ (OLAS) in Havanna. Damals wollte Kuba den Aufstand der gesamten dritten Welt vorzieren. Castro propagierte den Marxismus als eine erlösende Theorie für die Völker der „Dritten Welt“, erntete dafür die Zustimmung des sozialistischen Ostblocks und kassierte als Gegenleistung riesige Subventionen für seine marode kubanische Wirtschaft. 

In den 90er Jahren änderte sich jedoch die Situation in Kuba existentiell. Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion wurde der „Hahn der sozialistischen Hilfen“ zugedreht. Die Attraktivität des „real existierenden Sozialismus“ als Gesellschaftsordnung wurde in Frage gestellt – oder zumindest die bis dahin vorherrschende Vorstellung über die Vorzüge einer Planwirtschaft für einen zentralisierten Staat. Die lateinamerikanische Linke musste sich in der neuen Weltsituation umorientieren. Die globalisierte Welt und die zunehmende Armut in dieser Region stellten eine große Herausforderung für die lateinamerikanische Linke dar. Die Ziele der Bewegung mussten neu definiert werden. Die Konferenz von Sao Paulo im Jahre 1990 richtete ein ständiges Koordinierungsbüro zur Schaffung einer Aktionseinheit der gesamten Linken ein.

Durch die Ernennung von Fidel Castro und da Silva als Vorsitzende prägten die beiden Hauptströmungen schon seit der Geburtsstunde die neu gegründete Bewegung. Es sollte Einigkeit demonstriert werden. Doch die Wirklichkeit sah anders aus.

Im Gegensatz zu Lula da Silva und deren Reformvorstellungen zur Verbesserung der Soziallage in der Region, wollte Fidel Castro das „Foro de Sao Paulo“ als Sprungbrett zur Fortsetzung seines Revolutionsexports – diesmal unter einem neuen demokratischen Mantel - nutzen. Dabei rechnete er mit der Hilfe einiger Mitglieder des Forums mit einem eindeutig linksextremen Profil, wie beispielsweise der „Ejercito Zapatista de Liberación Nacional“ (Mexiko), die „Guerrilleros“ der FARC (Kolumbien) und die peruanische Revolutionäre Bewegung „Tupac Amaru“ (MRTA).

Einer der ersten Aufgaben, die sich das „Foro von Sao Paulo“ stellte, war die Schaffung einer gemeinsamen neuen ideologischen Ausrichtung. Der Marxismus war nach dem Zerfall des Ostblocks nicht mehr zeitgemäß, zumindest der „reine Marxismus“ wie ihn die meisten Denker des linken Lagers bis dahin propagiert hatten. Die Lateinamerikanische Linke brauchte eine Neuorientierung. Castro setze sich mit seinem Vorschlag - den „Marxismus“ durch den „Indigenismus“ zu ersetzten - durch. D.h. die Linke sollte sich ab sofort nicht mehr vordergründig für den Klassenkampf, sondern viel eher für die Verteidigung der Rechte der Indianer einsetzen.

In Zusammenhang mit der neuen Orientierung der Bewegung stellte das „Foro de Sao Paulo“ den Umweltschutz auch als einen seiner Ziele dar. Die lateinamerikanischen Linksgruppen wollten Umweltschutzorganisationen ansprechen und deren Ziele mittragen. Statt Arbeiterstreiks wurden fortan Aktionen als Umweltschützer verlang. Die Ökologie sollte als Mittel genutzt werden, um die Bevölkerung mobil zu machen. Die Menschen in Lateinamerika sollten auf die Straße gehen, um gegen öffentliche Projekte wie:  Straßen- und Schienennetzbau, wegen ihrer angeblichen Umweltschädigungen zu protestieren. Damit wollte man die Sympathien der Umweltschutzbewegung aus den USA und Europa gewinnen.

Trotz der Einigkeit in der ideologischen Ausrichtung blieben jedoch die Unterschiede bezüglich der Methoden bestehen.

Die Kluft zwischen den radikalen Kräften(um Castro) und den realistischen Reformern (um Lula) wurde im Jahre 1998, nach dem Sieg Hugo Chávez bei den venezolanischen Präsidentschaftswahlen, noch größer. Chavez avancierte schnell in der linken Bewegung zum bevorzugten Zauberlehrling der Thesen Fidel Castros, bezüglich der Notwendigkeit der staatlichen Kontrolle der Wirtschaft und einer Weltrevolution. Weniger mit seinem Verstand als mit seinem Geldbeutel ist es ihn gelungen, anstelle von Fidel Castro zum Wortführer des lateinamerikanischen Radikalismus zu werden.   

Im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Meinung - unterhalten Chávez und Lula da Silva keine „Liebesbeziehung“ sondern nur ein „harmonisches Zusammenleben“ zum gegenseitigen Vorteil. Zu den Meinungsverschiedenheiten in ihrer jeweiligen Einschätzung der Marktwirtschaft kommt noch die Rivalität zwischen Venezuela und Brasilien bezüglich der Führungsrolle in Lateinamerika hinzu. Brasilien sieht seine Vorreiterrolle im „Mercosur“ durch Venezuela gefährdet. Die von Chávez propagierte „Bolivarische Alternative für Amerika“ (Alba) steht im Widerspruch zu der von Lula durch den „Mercosur“ angestrebten Gründung eines lateinamerikanischen Gemeinschaftsmarktes.

Das eventuelle Ableben Castros stellt jedoch kein Problem für den „Foro de Sao Paulo“ dar. An und für sich ist schon die Nachfolge des charismatischen kubanischen Revolutionsführers durch Hugo Chávez geregelt. Er wird für die Fortführung des geistigen Erbes seines Ziehvaters sorgen. Für die Verfechter der radikalen Linie – die Kuba als Modell darstellen – scheint viel eher die Möglichkeit der Durchführung von Reformen auf Kuba problematisch zu werden. Eine demokratische Wende auf Kuba würde ihrem angestrebten Modell  komplett widersprechen.

Daher muss man mit einem sehr starken Druck gegen die demokratischen Reformen und Kräfte auf Kuba durch die lateinamerikanischen Ultralinken in nächster Zukunft rechnen.

Das zeigt eine Tendenz auf, die die kubanische Wende gefährden kann und daher nicht aus dem Auge verloren werden sollte.

ENDE

 
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Boris Luis Santa Coloma
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