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Im Internet kursieren Zurzeit zahlreiche kritische Briefe
kubanischer Künstler und Schriftsteller. Auslöser war das plötzliche Auftreten
im kubanischen Fernsehen zweier der wichtigsten Kultur- Zensoren der 60er und
70er Jahre. Dadurch wurden bei vielen die Erinnerungen an die Verfolgungen von
selbständig denkenden Kulturschaffenden in jenen Jahren wachgerufen. Auch ein in
Berlin lebender kubanischer Autor, Amir Valle äußerte sich zu den Vorgängen in
seiner Heimat.
Autor: Boris Luis Santa Coloma
Amir Valle wurde 1967 in Kuba geboren. In seiner
Heimat zeichnete man ihn mit nationalen und internationalen Literaturpreisen
aus. Dazu gehört der Preis "La Llama Doble" für erotische Romane, der
ihm 2000 und erneut 2003 verliehen wurde. Amir lebt heute in Berlin, ist aber
nicht uninteressiert an den Ereignissen in seiner Heimat.
Die Gemüter der kubanischen Intellektuellen sind
augenblicklich sehr erregt. Das Land will einen Wandel und sie wollen dabei Sprachrohr
der Gefühle der Menschen werden.
Die Regierung weiß das und versucht die rollende
Lawine zu stoppen. Die zwei oben genannten Zensoren sollen wieder in
öffentliche Ämter eingesetzt werden – zumindest empfinden die Intellektuellen
das so- mit dem staatlichen Auftrag „Ordnung im Schiff zu schaffen und alle
eventuellen Abweichler auf Linie zu trimmen“.
Der Schriftsteller, Amir Valle, schloss sich den
kritischen Stimmen seiner Kollegen an und wandte sich in einem offenen Brief im
Internet an die Weltöffentlichkeit.
Nach seiner Auffassung vollziehen sich seit der
Erkrankung Fidel Castros interessante Entwicklungen an der Spitze der kubanischen
Regierung, die man nicht aus den Augen verlieren darf.
Der Autor des Romans „Habana Babilonia“ spricht sich für Reformen im System aus,
allen voran für die Abschaffung menschenfeindlicher Praktiken, wie die
Verfolgung und das Berufsverbot für Andersdenkende Schriftsteller und Künstler
bezüglich ihrer Weltanschauung.
Amir will das Ende der „Kulturapartheid“, die
festlegt welche Künstler arbeiten dürfen und wo nur die „Regimetreuen“ ihre
Arbeiten veröffentlichendürfen.
Die kubanischen Intellektuellen wollen eine „Wende“
in der Kulturpolitik. Amir Valle ist der Meinung, die Regierung hat nicht das
Recht ohne vorherige Meinungsumfragen im Namen der gesamten Bevölkerung zu
sprechen und zu handeln. Der Zivilgesellschaft sollte ein größerer Spielraum
eingeräumt werden und die Intellektuellen müssen dabei ihrer Rolle gerecht
werden können. Voraussetzung dafür ist jedoch, sie müssen zuerst ihre Ängste überwinden.
In seinem Brief beschreibt Valle, wie die Machthaber
durch raffinierte Methoden die öffentliche Meinung manipulieren. Vertrauensleute
des Regimes werden in Schlüsselpositionen der Medien zur Kontrolle platziert.
Er erwähnt als Beispiel den gegenwärtigen Vorsitzenden des kubanischen
Rundfunkrates, ICRT. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Direktor der
Filmabteilung der Armee, ein Mann des Vertrauens Raul Castros.
Amir Valle erinnert an die früheren Verfolgungsjagden
gegen „Abweichler“ in Kuba. Hauptverantwortliche waren damals der „Comandante“ Jorge Serguera,
an der Spitze des Rundfunkrates und Luis Pavón als Kultusminister. Beide wurden
vor kurzem wieder im Fernsehen gezeigt. Das
brachte die Gemüter der Intellektuellen in Wallung. In beiden Fällen handelt es
sich um Vertrauensleute von Raúl Castro (Mitglieder der „Alten Garde“). Die
Frau des „Comandante“ Serguera war früher sogar Stellvertreterin von Vilma
Espín, der Ehefrau von Raúl Castro.
Nach Auffassung des Schriftstellers Amir Valle soll
den Intellektuellen das Recht eingeräumt werden, auch für Medien zu arbeiten,
die nicht unter der Kontrolle der kubanischen Machthaber stehen. Damit sind
beispielsweise unabhängige Publikationen – wie die Zeitschrift „Encuentro de la
Cultura Cubana“ gemeint, die das Thema Kuba vorrangig behandeln.
Valle – eine kritische Stimme der kubanischen
Intellektuellen – ruft seine Kollegen auf einen „würdigen Platz“ im bereits
begonnen Wendeprozess in Kuba einzunehmen. Er schließt sich voll den Ideen des
peruanisch-spanischen Schriftstellers, Mario Vargas Llosa in seinem Vergleich zwischen
der linken und der rechten Diktaturen an.
Beide haben etwas gemeinsam: Ihr Ziel ist die
Meinung der Leute zu kontrollieren.
ENDE
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