Home arrow Home arrow Weihnachten inmitten einer Wende
Freitag, 12. März 2010
 

Audio Dateien

(Mini-MP3-Player v2 ©Ute Jacobi)

  Beitrag von Peter Schumann im Deutschland Radio,

"Schwarzer Frühling in Havana

gesendet im März 2007

"Play Sound"

 

Karikatur

castrochaves1.jpg
Politische Häftlinge in Kuba
Weihnachten inmitten einer Wende Drucken E-Mail
Sonntag, 24. Dezember 2006

Ein Fest und neue Hoffnungen

Autor: Boris Luis Santa Coloma

 

retrato-de-boris

 

Viele Kubaner verbinden Weihnachten mit einem traditionellen Fest  An diesem Tag saßen die Familien am Tisch  mit Spanferkel, Reis, schwarzen Bohnen und Yucca, um zu speisen. Das war das typische Essen der Kubaner zu diesem Fest.

Im Jahre 1969 verbot die Regierung die Weihnachtsfeiern mit dem Vorwand, dass die gesamte Bevölkerung der Insel für die Zuckerkampagne mobilisiert werden müsste, die die Größte in der Geschichte Kubas werden sollte.

 

 

Wie viele andere Vorhaben davor, die auf Grund einer Laune eines einzelnen Menschen durchgeführt wurden, setzte sich mit großkotzigen Parolen ein ganzes Volk in Bewegung. Diese große Ernte mit dem Ziel: 10 Millionen Tonnen Zucker zu produzieren wurde zum totalen Fiasko, vielleicht sogar zur größten wirtschaftlichen Katastrophe in der Geschichte Kubas. Wie damals in Maos China beim „Großen Sprung nach Vorn“ wurde die gesamte kubanische Wirtschaft lahm gelegt um dieses unerreichbare Ziel zu verwirklichen.

Das Schlimmste jedoch war nicht - das Ziel von 10 Millionen Tonnen Zucker -nicht erreicht zu haben, sondern das die verbotenen Weihnachtsfeiern vom Regime nie wieder zugelassen wurden. Von diesem Jahr an, feierten die meisten Kubaner den Heiligen Abend hinter verschlossenen Türen. Der offiziellen Meinung nach war dieses Fest eine ideologische Schwäche und eine verdeckte Kritik am atheistischen sozialistischen System. In der DDR hätte niemand gewagt Weihnachten abzuschaffen.

Der Fakt, dass die Leute heimlich Weinachten weiter gefeiert haben, zeugt von der aufgezwungenen doppelten Moral in der kubanischen Gesellschaft. Nach Außen die Treue zum Regime zu zeigen, in dem man sich nicht an einem katholischen Fest beteiligt und auf der anderen Seite aber alte kulturelle Traditionen heimlich fortbestehen zu lassen.

Diese prägnante Verhaltensweise zieht sich durch das gesamte Leben der Kubaner seit 1959.  Das die Weihnachtstradition nicht starb, ist vielleicht auch den afrikanischen Religionen zu verdanken. In ihren geheimnisvollen Spiegelungen vom Katholizismus bewahrten unbewusst die afrokubanischen Zauberer den Glauben der kubanischen Nation in einem Augenblick in dem die Kirche auf Kuba ins Abseits geraten war.

Nach dem Besuch von Papst Johannes des II.  in Kuba im Jahre 1989 wurde Weihnachten nicht mehr als „regimefeindliche Feier“ betrachtet.

Trotz der straflosen Duldung dieses Festes durch die Regierung, hat  Weihnachten auf Kuba nicht mehr den alten Geist eines Familienfestes mit einem Augenblick der Besinnung zurück gewonnen. Für die meisten Kubaner bleibt Weihnachten verbunden mit vielen unerfüllten Wünschen durch die vorherrschende Mangelwirtschaft. Der knappe monatliche Lebensmittelkorb, den das Regime jedem Inselbewohner gewährt, reicht kaum, um die einfachsten Bedürfnisse zu decken. In diesem Jahr - als eine besondere Geste des Regimes - werden die Kubaner zusätzlich eine Flasche Rum und zwei Flaschen Bier bekommen. Das ist jedoch nicht für Weihnachten gedacht, sondern zum Anstoßen am ersten Januar, dem Tag - an dem nach der  offiziellen Historiographie die unerfüllte Revolution in Kuba siegte.

Gerade zu Weihnachten ist es wichtig auch an die 375 politische Gefangene und ihre Familien  zu erinnern, die wegen ihrer Gesinnung inhaftiert sind. Sie werden diesen Tag nicht gemeinsam mit ihren Familien verbringen können.

Der Verein „Kuba-Demokratische Zukunft“ wollte darauf aufmerksam machen und startete eine Aktion für die Freilassung der sechs unabhängigen Gewerkschafter, die zusammen mit anderen Menschenrechtlern im Frühjahr zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Mitglieder von Kuba-Demokratische Zukunft verteilten am Alexander Platz Postkarten mit den Bildern von den sechs inhaftierten unabhängigen Gewerkschafter verbunden mit einer Petition an die Bundeskanzlerin, sich bei der kubanische Regierung für ihre Freilassung stark zu machen.

Ab Januar wird Deutschland den turnusmäßigen Vorsitz der Europäischen Union übernehmen. Diese Gelegenheit sollte man nutzen um einen Wechsel in der bisherigen deutschen sowie europäischen Kuba-Politik anzustreben.

Sowohl die amerikanischen Sanktionen als auch die „Taktik der kleinen Schritte“ haben sich als falsch erwiesen. Eine Delegation des deutschen Bundestages versuchte vergeblich ein Einreisevisum nach Kuba zu erhalten. Mehr Glück hatte eine amerikanische Abgeordneten Gruppe, die bis Havanna kam. Sie wurde jedoch vom kubanischen Staatsoberhaupt nicht empfangen.

Obwohl Raul Castro zweimal - die Bereitschaft des Regimes mit dem Nachbar aus dem Norden über strittige Fragen zu sprechen – betonte, erwies sich dieses Angebot als eine weitere Ente. Die Militärjunta unter Raúl Castro ist weder willens noch bereit über Reformen zu sprechen. Die kubanischen Demokraten erwarten von den Europäern eine neue zielgerichtete  Politiklinie, in der neue Konzepte enthalten sein sollten. Der Verein „Kuba-Demokratische Zukunft“ schickte im August eine Petition an die Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der Anregung - ein Forum bezüglich praktischer Maßnahmen zu einer neuen Kuba-Politik- durchzuführen.   Der Brief des Vereins ist bis jetzt leider unbeantwortet geblieben. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht auf mangelnde Bereitschaft den Reformprozess auf Kuba zu unterstützen- zurück zu führen ist. Kuba befindet sich in einem Wendeprozess. Für alle Kubaner haben diese Weihnachten eine besondere Tragweite. Sie ist verbunden mit der Hoffnung auf eine Veränderung in ihrer Situation. Diesem Fakt sollte Europa Rechnung tragen in einer aktiveren, die Demokratisierung stärker unterstützenden Kuba-Politik.

ENDE 

 
< zurück   weiter >
Meistgelesene Beiträge
Links zu Partnerseiten

fundacion


Die Kubanisch-Amerikanische Nationale Stiftung ist eine Organisation einer Gruppe Exilkubaner, die sich für die Demokratie und die Wende in Kuba einsezt. Unter den Vorsitz von Jorge Mas Santos steuerte die CANF einen neuen realistischen Kurs zur tatkräftigen Unterstützung des Reformprozeß in Kuba.

 

penclub

 Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.

 

 

icftu

Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften wurde im Jahre 1949 gegründet. Mitglieder sind 241 Gewerkschaften aus 156 Ländern. Die ICFTU hat mehrmals auf die Lage in Kuba aufmerksam gemacht.  

 

payolibre_logo_50 Pablito oder "Payo" ist die beste Adresse im Internet um über die politischen Gefangenen in Kuba zu erfahren.

cuba_libre_digital Wer Spanisch kann und sich für Kuba und Lateinamerika interessiert, sollte dieses Portal besuchen. Der Chefredakteur, Jorge Fonseca, ist ein erfahrener kubanischer Journalist. Nachrichten über Kuba aus aller Welt, aber vorallem aus der Insel!.

 

 

flamurEin Frauenprojekt mit ökologischen und sozialen Hintergrund. FLAMUR Projekt "Con la Misma Moneda": In Kuba soll es nur ein einziges Zahlungsmittel geben. Gleiche Chancen=Gleiche Währung. Leider alles nur in Spanisch!

 

cubasindical-org Eine Übersicht über die Lage der unabhängigen Gewerkschaften in Kuba sowie die arbeitsrechtliche Situation der kubanischen Arbeiter. Sprache: Spanisch u. English 

 

CubaNuestraDigital  Die Webseite für versierte Leser, die nicht nur informiert werden wollen, sondern auch die Hintergründe über die Ereignisse in Kuba wissen wollen. Die Chefredaktion behauptet von sich, sie seien "die rebellischen Kinder der kubanischen Revolution". Sprachen: Spanisch, Englisch und Schwedisch.

 

martha_asamblealogo1

Die "Versammlung zur Förderung der Zivilgesellschaft" gehört zu den aktivsten Gruppen der kubanischen Opposition. Ihr Wortführer ist Martha Beatríz Roque

 

 

logo_cuba-archive Ein Kompendium der Verbrechen, die in Kuba begangen wurden. Die Projektleiterin, María Werlau, schreibt für den "Sun" und den "Miami Herald". In englischer Sprache. 

cuba-europa_en_futuro

Das Portal der gleichnamige Initiative der sozialistischen Gruppe im Europäischen Parlament zur Unterstützung  der linksgerichteten Kräfte sowohl innerhalb als auch außerhalb Kubas. Vordergrundig werden Informationen über Arco Progresista veröffentlicht. 

 

 

mt_ignore

 

Das Portal der Initiativen "Varela " und "Todos Cubanos " der "Movimiento Cristiano Liberación"

 

 

Damas Das Internetportal der "Damen in Weiß". Einer der wichtigsten Bewegungen der Zivilgesellschaft

 

 

 

 

boris

Boris Luis Santa Coloma
Redakteur 

home contact search contact search