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Ein Fest und neue Hoffnungen
Autor: Boris Luis Santa Coloma
Viele Kubaner verbinden Weihnachten
mit einem traditionellen Fest An diesem
Tag saßen die Familien am Tisch mit Spanferkel,
Reis, schwarzen Bohnen und Yucca, um zu speisen. Das war das typische Essen der
Kubaner zu diesem Fest.
Im Jahre 1969 verbot die
Regierung die Weihnachtsfeiern mit dem Vorwand, dass die gesamte Bevölkerung
der Insel für die Zuckerkampagne mobilisiert werden müsste, die die Größte in der
Geschichte Kubas werden sollte.
Wie viele andere Vorhaben davor, die auf Grund einer Laune
eines einzelnen Menschen durchgeführt wurden, setzte sich mit großkotzigen
Parolen ein ganzes Volk in Bewegung. Diese große Ernte mit dem Ziel: 10
Millionen Tonnen Zucker zu produzieren wurde zum totalen Fiasko, vielleicht
sogar zur größten wirtschaftlichen Katastrophe in der Geschichte Kubas. Wie
damals in Maos China beim „Großen Sprung nach Vorn“ wurde die gesamte
kubanische Wirtschaft lahm gelegt um dieses unerreichbare Ziel zu
verwirklichen.
Das Schlimmste jedoch war nicht - das Ziel von 10 Millionen
Tonnen Zucker -nicht erreicht zu haben, sondern das die verbotenen Weihnachtsfeiern
vom Regime nie wieder zugelassen wurden. Von diesem Jahr an, feierten die meisten
Kubaner den Heiligen Abend hinter verschlossenen Türen. Der offiziellen Meinung
nach war dieses Fest eine ideologische Schwäche und eine verdeckte Kritik am atheistischen
sozialistischen System. In der DDR hätte niemand gewagt Weihnachten
abzuschaffen.
Der Fakt, dass die Leute heimlich Weinachten weiter gefeiert
haben, zeugt von der aufgezwungenen doppelten Moral in der kubanischen
Gesellschaft. Nach Außen die Treue zum Regime zu zeigen, in dem man sich nicht
an einem katholischen Fest beteiligt und auf der anderen Seite aber alte
kulturelle Traditionen heimlich fortbestehen zu lassen.
Diese prägnante Verhaltensweise zieht sich durch das gesamte
Leben der Kubaner seit 1959. Das die
Weihnachtstradition nicht starb, ist vielleicht auch den afrikanischen Religionen
zu verdanken. In ihren geheimnisvollen Spiegelungen vom Katholizismus bewahrten
unbewusst die afrokubanischen Zauberer den Glauben der kubanischen Nation in
einem Augenblick in dem die Kirche auf Kuba ins Abseits geraten war.
Nach dem Besuch von Papst Johannes des II. in Kuba im Jahre 1989 wurde Weihnachten nicht
mehr als „regimefeindliche Feier“ betrachtet.
Trotz der straflosen Duldung dieses Festes durch die
Regierung, hat Weihnachten auf Kuba
nicht mehr den alten Geist eines Familienfestes mit einem Augenblick der
Besinnung zurück gewonnen. Für die meisten Kubaner bleibt Weihnachten verbunden
mit vielen unerfüllten Wünschen durch die vorherrschende Mangelwirtschaft. Der
knappe monatliche Lebensmittelkorb, den das Regime jedem Inselbewohner gewährt,
reicht kaum, um die einfachsten Bedürfnisse zu decken. In diesem Jahr - als
eine besondere Geste des Regimes - werden die Kubaner zusätzlich eine Flasche
Rum und zwei Flaschen Bier bekommen. Das ist jedoch nicht für Weihnachten
gedacht, sondern zum Anstoßen am ersten Januar, dem Tag - an dem nach der offiziellen Historiographie die unerfüllte
Revolution in Kuba siegte.
Gerade zu Weihnachten ist es wichtig auch an die 375
politische Gefangene und ihre Familien
zu erinnern, die wegen ihrer Gesinnung inhaftiert sind. Sie werden diesen
Tag nicht gemeinsam mit ihren Familien verbringen können.
Der Verein „Kuba-Demokratische Zukunft“ wollte darauf
aufmerksam machen und startete eine Aktion für die Freilassung der sechs
unabhängigen Gewerkschafter, die zusammen mit anderen Menschenrechtlern im
Frühjahr zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Mitglieder von Kuba-Demokratische
Zukunft verteilten am Alexander Platz Postkarten mit den Bildern von den sechs
inhaftierten unabhängigen Gewerkschafter verbunden mit einer Petition an die
Bundeskanzlerin, sich bei der kubanische Regierung für ihre Freilassung stark
zu machen.
Ab Januar wird Deutschland den turnusmäßigen Vorsitz der
Europäischen Union übernehmen. Diese Gelegenheit sollte man nutzen um einen
Wechsel in der bisherigen deutschen sowie europäischen Kuba-Politik
anzustreben.
Sowohl die amerikanischen Sanktionen als auch die „Taktik
der kleinen Schritte“ haben sich als falsch erwiesen. Eine Delegation des
deutschen Bundestages versuchte vergeblich ein Einreisevisum nach Kuba zu
erhalten. Mehr Glück hatte eine amerikanische Abgeordneten Gruppe, die bis
Havanna kam. Sie wurde jedoch vom kubanischen Staatsoberhaupt nicht empfangen.
Obwohl Raul Castro zweimal - die Bereitschaft des Regimes
mit dem Nachbar aus dem Norden über strittige Fragen zu sprechen – betonte, erwies
sich dieses Angebot als eine weitere Ente. Die Militärjunta unter Raúl Castro
ist weder willens noch bereit über Reformen zu sprechen. Die kubanischen
Demokraten erwarten von den Europäern eine neue zielgerichtete Politiklinie, in der neue Konzepte enthalten
sein sollten. Der Verein „Kuba-Demokratische Zukunft“ schickte im August eine
Petition an die Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit der Anregung - ein Forum
bezüglich praktischer Maßnahmen zu einer neuen Kuba-Politik-
durchzuführen. Der Brief des Vereins ist bis jetzt leider
unbeantwortet geblieben. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht auf mangelnde
Bereitschaft den Reformprozess auf Kuba zu unterstützen- zurück zu führen ist.
Kuba befindet sich in einem Wendeprozess. Für alle Kubaner haben diese Weihnachten
eine besondere Tragweite. Sie ist verbunden mit der Hoffnung auf eine Veränderung
in ihrer Situation. Diesem Fakt sollte Europa Rechnung tragen in einer
aktiveren, die Demokratisierung stärker unterstützenden Kuba-Politik.
ENDE
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