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Autor: Ernesto F. Betancourt
Das Regime in Havanna feiert den 50. Jahrestag der Landung der „Granma“. In
der kubanischen Ikonographie gilt dieses Datum als der „Gründungstag der Streitkräfte“. Das runde
Jubiläum bietet dem Machthaber Anlass - sich selbst zu feiern. Mehrere Tage
offizieller Feierlichkeiten unter Teilnahme von ca. tausend ausländischen Gästen
sind geplant.
Die feierliche Eröffnungsveranstaltung fand am 28. November 06 im Theater „Karl
Marx“ in Havanna statt. Weder Fidel Castro noch sein Bruder Raúl waren
anwesend. Die Ansprache hielt der Comandante Juan Almeida, einer der
„historischen“ Führer. Für die Kuba-Experten warf die Abwesenheit der Gebrüder
Castros viele Fragen auf. Warum
nahm Raúl nicht teil? Wieso nimmt der „Nachfolger“ von Fidel seinen
Platz nicht öffentlich ein?
Der venezolanische Präsident, Hugo Chávez -kündigte jedoch an, Fidel habe
ihm versichert, er werde wie ein „Phoenix“ - nach Vierzig Jahren an der Macht - zurückkehren.
(!!!!)
Fakt ist: Bis jetzt gibt es keine offizielle Erklärung über die Abwesenheit
von Raúl bei der feierlichen Veranstaltung im „Karl Marx“ Theater. Die
spanische Pressagentur EFE schreibt, der „Palast der Revolution“ (sitzt der
kubanischen Regierung) hüllt sich in Schweigen bezüglich der Teilnahme Raúls an
der verspäteten Geburtstagsfeier Fidels im Dezember. Zur Erinnerung: Eigentlich
waren die Feierlichkeiten anlässlich des Castro- Geburtstages für August 2006 vorgesehen.
Sie wurden aber wegen der unerwarteten Erkrankung des Geburtstagskindes in den
Dezember 2006 verlegt. Jetzt heißt es in einem kurzen Kommuniqué der
kubanischen Regierung- Castro wird auch im Dezember nicht zu den nachträglichen
Geburtstagsfeierlichkeiten erscheinen.
Manche Kuba-Experten glauben, die Stunde des Comandante Ramiro Valdés wäre
gekommen. Vor kurzem wurde der Comandante von Raúl Castro - aus der Versenkung
geholt und zum Minister ernannt. Der ehemalige „Compañero“ von Fidel und Raúl
genießt in Wirklichkeit jedoch nicht das Vertrauen des mächtigen Kollegiums der
Generäle.
Hinter verschlossenen Türen munkelt man, dass Raúl Castro sich bei seiner
Frau Vilma – die kubanische First Lady – aufhält. Angeblich ist sie schwer
krank und wurde auf eigenen Wunsch in ihre Heimatstadt Santiago de Cuba verlegt,
um dort zu sterben. Egal was die wahren Ursachen für die Abwesenheit von Raúl
sind, sein Verhalten stellt seine Führungsansprüche in Frage. Der andere Mann,
der als Nachfolger Fidels in Frage käme - wäre der Comandante Ramiro Valdés. Er
ist ebenfalls alt und gebrechlich. Vor einigen Monaten erlitt er einen
Zusammenbruch während einer offiziellen Feier vor laufenden Kameras.
Für die „Castrologen“ ist es Zurzeit schwer, realistische Voraussagen
bezüglich der Zukunft Kubas zu formulieren.
Die anderen Lager der kubanischen Machtkonstellation bilden - Carlos Lage,
Ricardo Alarcón und der Außenminister, Perez Roque. Der Letztere ist der
sichtliche Kopf der „ Kubanischen Taliban“ - einer Gruppe skrupelloser junger
Männer, die bereit sind mit dem Teufel selbst zu paktieren, um die Macht zu
erlangen.
Bei der Veranstaltung im „Karl-Marx“ Theater waren alle anwesend: Sowohl die
„Raulisten“, die „Talibanisten“ und auch die Generäle. Unter ihnen waren - Ulises Rosales del Toro,
Leopoldo Cintra Frías und Alvaro López Mieira. Sie wissen sich in einer
Schlüsselrolle und schweigen... bis
jetzt.....
In guter stalinistischer Manier saßen alle in trauter Gemeinsamkeit auf der
Bühne. Dieses Bild erinnerte an die bekannten Fotos der Ehrentribüne der
Militärparaden zu Zeiten der ehemaligen Sowjetunion. Man möchte unter den
gegenwärtigen Umständen nach Außen als Einheit wirken.
Jedoch hinter der Fassade erinnert sich heimlich bestimmt mancher von denen,
die heute auf der Ehrentribüne sitzen, an die letzten Tage von Batista. Viele
unter den jetzigen Machthabern machen
sich mit Recht Sorgen um ihre Zukunft.
Das Regime nähert sich seinem Ende. Niemand unter den Machtfiguren ist
bereit, eine Wende mit zu tragen. Sie haben nie gelernt, selbständig zu denken.
Ihre Fähigkeiten beschränken sich auf zunicken sowie Befehle empfangen und weiterzuleiten.
Die Zukunft aber wird getragen von reformwilligen Menschen, die bereit sind
nach Lösungen zu suchen - für die dringenden Probleme der Menschen in Kuba auf
der Grundlage einer demokratischen Öffnung und unter Einführung der
Privatinitiative.
Diario Las Americas
Veröffentlicht am 28. Nov. 2006
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